Archiv für März 2008

Durch Blaue Blumen auf den Punkt gebracht

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Der WolfsbrunnenAbend am 29. Februar, war, wie geplant und eingeladen, dem Thema Romantik gewidmet. Anlass gab das Ende 2007 erschienene Buch von Rüdiger Safranski „Romantik- eine deutsche Affäre“. Und viele kamen und alle waren interessiert am Thema des Buches, das auf insgesamt 415 Seiten von der Epoche der deutschen Romantik handelt und von dem Romantischen, das der Epoche der Romantik in den verschiedenen zeitgeistigen Ausprägungen, Überhöhungen oder auch Instrumentalisierungen bis heute folgte. Das Buch wurde kurz vorgestellt, seine Gliederung präsentiert und einige kontroverse Denkansätze vorgetragen.

Novalis half, erst einmal die Romantik zu definieren: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“

Und weiter mit Safranski: „ Der romantische Geist ist vielgestaltig, musikalisch, versuchend und versucherisch, er liebt die Ferne der Zukunft und der Vergangenheit, die Überraschungen im Alltäglichen, die Extreme, das Unbewusste, den Traum, den Wahnsinn, die Labyrinthe der Reflexion.“

Es ergab sich eine lebhafte Diskussion, beginnend mit dem Zitat zur Blauen Blume aus dem Roman „Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis- passend zur Tischdekoration mit Zweigen aus dem Wolfsbrunnen und Blauen (Papier-) Blumen.

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Es wurde nach der Stellung des Religiösen in der Romantik gefragt, nach der Lesbarkeit der Romane und Novellen für den heutigen Leser, und natürlich auch nach der Musik, zu der sich Safranski nur sehr randlich äussert und die doch für uns so eng eben auch mit der deutschen Romantik verbunden ist. Über die Malerei in der Romantik hätte man auch gern mehr gelesen.

Auch Das Romantische wurde hinterfragt, in wieweit der Leser dem Autor folgen will in seiner Übertragung romantischen Geistes im fortschreitenden 19. Jahrhundert, bei Wagner und Nietzsche, aber vor allem auch in der Politik des kaiserlichen Deutschland, des Dritten Reiches und bis hin zur Bewegung der 68iger.

Das Buch schließt mit einer Warnung, das Romantische mit dem Politischen verbinden zu wollen. E.T.A. Hoffmann hätte zugestimmt: „Das Durchdringen des Lebens mit Nützlichkeit ist den Romantikern ärgerlich.“

Hier versteht sich der der Romantik und dem Romantischen verbundene Freundeskreis allerdings anders: er wird weiter das Wolfsbrunnen-Gelände mit Nützlichkeit durchdringen und Brombeeren und Knöterich bekämpfen.