Archiv für Juni 2008

Auf den Spuren der Wölfe

Beim heutigen WolfsbrunnenAbend im Museum am Ginkgo sprach Hans-Martin Gäng über „Wölfe: verrufen, verfolgt, verklärt“.

Sie kommen wieder! In der Schweiz, in Italien, Spanien, Sachsen und sogar in Hessen, im Reinhardswald: ein Wolf, oder auch mehrere. Sie waren freilich schon lange da - seit 15 Millionen Jahren. Auch in der Literatur waren sie immer Thema (wer hat nicht Hermann Hesses Steppenwolfs gelesen oder Kiplings Dschungelbuch?). Ihre Tatzen finden sich in Wäldern, auf Rucksäcken und in Outdoor-Läden.

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Dennoch: die Wölfe stehen unter striktem Schutz, denn sie sind höchst gefährdet, nicht zuletzt wegen ihrer hohen Sterblichkeit besonders in jungen Jahren. Schutzgemeinschaften nehmen sich des Canis lupus an. Verrufen und verfolgt: wird er doch bis zu 96kg schwer und vom Schwanz zur Schnauze (oder umgekehrt) bis zu 2,13m lang. Das kann er nur als erfolgreicher, laufstarker, muskelstarker, ausdauernder, mit sehr gutem Geruchssinn, Gesichtsinn und Gehörsinn begabter Beutegreifer, der bis zu 40km in der Nacht zurücklegt. Er geht der Beute, gern Schafen, an die Halsschlagader, schüttelt Lämmer tot und mäuselt die Mäuse, wenn es denn sein muss (und wenn der Schäfer, wie viele in der Schweiz sich nicht Schutzhunde für seine Herden zieht). Gefürchtet wird er als Einzelgänger, aber auch im Rudel, bestehend aus Wolf, Fähe, Jungen und Jährlingen.

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Verrufen und verklärt wird der Wolf auch in Sage und Legende - in westlichen Ländern mehr im Stil von „Rotkäppchen und der Wolf“ oder „Der Wolf und die sieben Geislein“; in Russland hingegen reitet der Zar schon mal mit seiner Schönen auf dem Wolf davon.

Und die Jetta und die Wölfe im Wolfsbrunnen? Das große Geheimnis um sie bleibt auch nach diesem informativen Abend ungelöst. Die anschließende Diskussion schwankte denn auch zwischen den Zuhörern, die im Wolf den Gegner der Jäger und das auch für den Menschen gefährliche wilde Tier sahen und denen, die meinten: good news für Rotkäppchen, d.h. wer dem Wolf von gleich zu gleich begegnet, hat von ihm nichts zu fürchten.

Alle waren sich für die Zukunft des Wolfsbrunnens einig, dass - nomen est omen? - der neue Wirt des Restaurants bald Wolf S. heißen möge und dort wieder neues Leben und gastronomisches Wirken einzieht.

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Die Gastfreundschaft im Museum am Ginkgo wurde ein zweites Mal dankbar vom Vortragenden und dem Freundeskreis angenommen. Der großzügige Vortragsraum des neuen Hauses bietet für Veranstaltungen dieser Art einen schönen Rahmen. Man hofft auf weitere fruchtbare Zusammenarbeit auf der Linie Wolfsbrunnen - Schlosswolfsbrunnenweg.

Das neue Programm ist da!

DRUCKFRISCH sozusagen liegt es als PDF-Datei zum Ausdrucken im “Korb”. Zusätzlich finden Sie es zum Nachlesen in der Rubrik “Programm” (siehe Menüleiste).

WÖLFE verrufen - verfolgt - verklärt

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(Jetta wird von Wölfen gerissen, Stadtarchiv HD)

EINLADUNG ZUM VORTRAG

WÖLFE
verrufen - verfolgt - verklärt
Hans-Martin Gäng

 27. Juni 2008, 19.30 Uhr
Museum am Ginkgo
Schloß-Wolfsbrunnenweg 46

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Der Wolf läßt niemanden kalt. Während ihn Naturvölker und moderne Naturromantiker verehren oder mystisch überhöhen, so hassen ihn die Schafzüchter. Karl der Große erließ bereits Jagdordnungen, um die Kleintierhaltung seiner Untertanen zu schonen.

Auch die pfälzischen Kurfürsten ließen dem Wolf nachstellen: vor fünf Jahrhunderten lebte am Wolfsbrunnen, wo die sagenumwobene Jetta - angeblich - von einer Wölfin zerrissen wurde, der „Wolfskreiser“, ein Jäger, der die Anwesenheit von Wölfen in der Heidelberger Umgebung feststellen sollte und der mit langen Seilen, an denen Stofflappen hingen, die Wölfe einkreisen musste, damit den Jägern keiner „durch die Lappen“ ging.

Unser heutiges Bild vom Wolf ist geprägt von Schauergeschichten (Werwolf), den Märchen der Brüder Grimm, von Romanen wie von Jack London oder Rudyard Kipling.

Der Vortrag soll unser Wissen erweitern über diesen heimlich lebenden Beutegreifer, der an der Spitze der Nahrungspyramide in den europäischen Wäldern, Heiden und Bergen steht. Themen werden die Biologie des Wolfes, seine Verfolgung, seine Wiederkehr, der Umgang der Schafhalter mit den Wölfen und  schlussendlich das Zusammenleben von Wolf und Mensch sein.

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Goethe bei strömendem Regen

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Am 30. Juli, 19.30 Uhr versammelte sich eine durchnässte Fan-Gemeinschaft im Bürgerhaus Schlierbach, um Jürgen Tröger bei seinem Vortrag über „Goethe in Heidelberg“ zu lauschen. Auf die übliche kurzweilige Art entwickelte er ein Bild Heidelbergs zum Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts, einer Zeit, in der sich Heidelberg von der verlassenen Residenz zu einem Teil des aufbrechenden, neu gegründeten Großherzogtums Baden entwickelte, in der die wieder gegründete alte Universität zu neuen Ufern aufbrach und der geistige Aufschwung ablesbar wurde an den Namen der Besucher, denen die Stadt eine Reise wert war - nicht zuletzt eben Goethe, den es immer wieder in entscheidenden Momenten seines Lebens nach Heidelberg zog.

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Der Wolfsbrunnen um 1820, Kupferstich von J. J. Meyer
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Hier stand er vor der Wahl, sein Leben auf Weimar auszurichten, hier rastete er auf seinem Weg nach Italien, und hier traf er, wenn auch nur für wenige Stunden, Marianne von Willemer, für die - oder  kann man sagen, mit der ? -  er 1815 den West-östlichen Divan schuf. Herr Tröger hat die Fähigkeit, bescheidene Details, die er seiner bewundernswerten Belesenheit verdankt, in große Zusammenhänge zu stellen und so ein lebendiges Bild einer vergangenen Zeit zu malen. Die Zuhörer folgten gebannt und hatten viele Fragen. Das einzige Bedauern des kunstvollen Abends bezog sich auf die Lücken in der Dokumentation von Goethes Heidelbergbesuchen. Und vor allem auf die Tatsache, dass er sich bis auf die winzige Notiz über einen Spaziergang nicht zum Wolfsbrunnen äußerte…
Der Abend endete zu später Stunde, der Regen hatte aufgehört - und im Wolfsbrunnental hingen dicke Tropfen an den Maispitzen der Fichten.