Archiv für Dezember 2008

Geschichts-Spaziergang voller Entdeckungen

Einen umfassenden Überblick über die lange Geschichte und die bauliche Entwicklung des Wolfsbrunnens erfuhren die zahlreichen Besucherinnen und Besucher beim letzten Vortragsabend des Jahres 2008.

Folkwin Vogelsang, durch seine Familiengeschichte und seinen Beruf  bestens vertraut mit der Geschichte des Wolfsbrunnens und seinem Gasthaus, zeigte mit einer Fülle von Plänen, Zeichnungen, Stichen, Aquarellen und Gemälden den langen Weg dieses besonderen Kulturortes in Heidelberg bis zu seinem heutigen Aussehen.

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Viele Quellfassungen, Fischbecken, Mauern, Terrassen, Anlagen, Gebäude sind zur Zeit nur noch in zahlreichen und weit gestreuten Abbildungen nachweisbar, vieles liegt buchstäblich unter der Erde und wartet auf Erhaltung, Pflege, Erforschung und Dokumentation.

WUSSTEN SIE,

  • dass am Wolfsbrunnen ein Steinbeil gefunden wurde, also vor vielen tausend Jahren dort Menschen zugange waren?
  • dass bereits 1580 ein Gebäude dort stand?
  • dass sicher schon lange vorher, aber seit dann der Wolfsbrunnen ununterbrochen genutzt und gepflegt wurde?
  • dass in vielen Karten/Lageplänen des 17., 18., 19. Jahrhunderts der Wolfsbrunnen mit seinen Teichanlagen und Gebäuden genau dokumentiert ist?
  • dass die vielen Quellen schon vor Hunderten von Jahren aufwändig gefasst, zugeleitet und genutzt wurden?
  • dass man dieses Wasser auf wenigen hundert Metern Länge bis zum Neckar in 5 bis 6 Becken zur Fischhaltung und die Rundwege um die Teiche zum Lustwandeln nutzte?
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  • dass 5 bis 6 Mühlen mit dieser Wasserkraft über viele Jahre betrieben wurden?
  • dass der Schlierbacher Dorfplatz, das Zentrum Schlierbachs, dort lag, wo heute die Unterführung unter der Bahn ist?
  • dass das Gasthaus lange Zeit ein Pyramidendach hatte, erst spät ein Satteldach folgte?
  • dass das Treppenhaus zu den oberen Stockwerken außen lag?
  • dass ein Weg am Hang hinter dem Eiskeller vorbei zu einer Scheune führte?
  • dass der Platz vor dem Gasthaus vor 200 Jahren viel kleiner und schmaler war?
  • dass schon vor langer Zeit ein Wolfskopf die Mauer zum Quellengarten schmückte?
  • dass man dort vor 180 Jahren hölzerne Plattformen in die Baumkronen setzte, um sich in luftiger Höhe bei Speis’ und Trank und Tanz zu amüsieren?
  • dass der im Frühjahr 2008 vom Brunnen gestohlene bronzene Wolfskopf weit über 100 Jahre alt ist?
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  • dass das erste Foto vom gesellschaftlichen Leben am Wolfsbrunnen von 1875 stammt?
  • dass zu dieser Zeit dort in einem Kiosk Schweizer Spitzen verkauft wurden?
  • dass schon zu dieser Zeit in einem eleganten gläsernen Anbau Feste stattfanden?
  • dass die Linde vor dem Gasthaus etwa 150 Jahre alt ist?
  • dass schon 1930 eine Wolfsplastik den verbliebenen Teich schmückte, aber 1970 verschwand?
  • dass noch immer ungeklärt ist, was es mit dem Heidenloch in unmittelbarer Nähe des Wolfsbrunnens auf sich hat?
  • dass das Gelände um das Gasthaus als archäologisches Denkmal besonders geschützt ist?

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WAS HABEN WIR AUS DEM VORTRAG GELERNT?

Der Wolfsbrunnen ist ein ganz besonderer Heidelberger Ort.

Alle, die Heidelberg besuchten, waren auch hier, keiner verließ unberührt diesen Ort. Viele Künstler spürten seinen Zauber und das unerklärlich Schöne dieses Tales und versuchten diesen besonderen Eindruck in Wort und Bild festzuhalten.

Es gibt in der langen Geschichte des Wolfsbrunnens noch einiges zu erkunden und zu erforschen, obwohl es so viele Darstellungen und Berichte gibt.

Eine behutsame Pflege, der Erhalt und die öffentliche Nutzung der Anlage und des Gasthauses sind unverzichtbar, viele Heidelberger Generationen und Stadtväter vor uns haben das seit 400 Jahren verantwortungsvoll geleistet.

Gut, dass es einen Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V. gibt, nicht wahr?

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Nachtwächter für den Eiskeller

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Diese drei jungen Waldkäuze schlüpften im Mai 2008 in der Werderstraße in Heidelberg-Neuenheim. Vielleicht finden sie unser Wohnungsangebot. (Foto: Markus Pohlmann)
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“Warum bauen Sie hier gleich zwei Nistkästen ein?” Diese Frage eines Spaziergängers, der sich über den Beitrag zum Vogelschutz am Wolfsbrunnen freute, lässt sich leicht beantworten: “Hier am Eiskeller sind seit langer Zeit zwei gut geeignete Öffnungen. Dem einen Nistkasten haben wir einen niederen Eingang gebaut, dem anderen einen größeren. Wir sind neugierig, welchen der Waldkauz oder auch die Waldohreule bevorzugen wird!”, so Naturschutzwart Hans-Martin Gäng.

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Hans-Martin Gäng und Prof. Dr. Volker Voigtländer am denkmalgeschützten Eiskeller. Von außen sieht man nur die Anflugstangen der beiden Nistkästen .
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Mit Reinhard Reetz und Prof. Volker Voigländer, die die beiden Kästen gebaut und montiert haben, hofft er, dass dieses Wohnungsangebot für die Eulen bald angenommen werden wird. “Gerade in den letzten Wochen hören wir nachts am Wolfsbrunnen immer wieder rufende Waldkäuze”, bestätigt Prof. Volker Voigtländer, der wie Hans-Martin Gäng “in Hörweite” zum Wolfsbrunnen wohnt. Die Nistkästen wurden hinter den Maueröffnungen im Nordgiebel des Eiskellers befestigt. Die Lage des Eiskellers am Waldrand - davor die Talwiese, ist ideal.

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Blick aus der “Wohnung”! Das wird die Aussicht sein für die zukünftigen Bewohner der Nistkästen, wenn sie tagsüber aus ihrem Schlaf erwachen und einen Blick riskieren…
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Reinhard Reetz, ehemaliger Techniklehrer, hat bereits mit Hans-Martin Gäng für mehrere Heidelberger Kirchtürme Turm- und Wanderfalken-Nistkästen mit Bruterfolgen installiert: “Wir haben gute ‚Antennen’ für die Wohnungsnöte von Greifvögeln und es macht uns Freude, am Wolfsbrunnen etwas Gutes für die Vogelwelt zu leisten!” - Mäuse werden am Wolfsbrunnen und in den umliegenden Wäldern allerdings anderer Meinung sein, denn sie stehen hauptsächlich auf dem Speiseplan der Eulen…

Nun heißt es: Wir warten auf den Kauz - nicht nur auf einen Pächter!

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Eine nicht gehaltene Rede

von Kathrin Rating bei der Verleihung der Bürgerplakette “für bürgerschaftliches Engagement in Heidelgerg” gestern im Großen Rathaussaal.

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Vielen Dank!

Als ich von der Ehre der Bürgerplakette erfuhr, wollte ich das Dokument – wenn nicht schon auf die Fee Jetta – auf den Freundeskreis Wolfsbrunnen umschreiben lassen. Aber: Es gehört zum demokratischen Reglement, dass Gemeinderatsbeschlüsse nicht so einfach einmal geändert werden können. …und das ist gut so.

Also stehe ich nun hier und danke von Herzen, denn der Anlass dieser Ehre ist in der Tat der Wolfsbrunnen mit seiner mehr als 450jährigen Geschichte.

Das Engagement um diesen Ort liegt in den Händen und Köpfen vieler Mitbürger. Es wurde und wird viel geleistet und das macht Mut, den Begriff des bürgerschaftlichen Engagements ernst zu nehmen und zu sagen: weiter so.

Verantwortung, Optimismus, Mut und Ausdauer, Fürsorge und vieles mehr für das sogenannte Gemeinwohl, für unsere Stadt, für den Wolfsbrunnen, das ist das, was der Freundeskreis nun schon seit fast vier Jahren an diesem Ort praktiziert.

Es ist die Verantwortung für einen Ort der Heidelberger Kulturgeschichte, die gesichert und gepflegt werden muss, deren Gegenwart ideenreich und lustvoll gelebt und dessen Entwicklung zukunftstauglich gemacht werden muss.

Im Moment sind die Zeiten am Wolfsbrunnen widrig, das Gasthaus steht seit fast einem Jahr leer und keiner weiß, wie es weiter geht. Wir werden jedoch mit unserem Engagement nicht nachlassen und hoffnungsvoll nach Lösungen suchen, das Haus wieder mit Leben zu füllen.

Es gibt genügend Beispiele in unserer Republik, die zeigen, dass es gelingen kann, solche Orte mit ihrer Tradtion zu erhalten.
…auf geht’s und… wie immer Frohes Schaffen

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Kathrin Rating, OB Eckart Würzner

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Gratulant Thomas Müller vom Stadtteilverein Schlierbach, Gemeinderätin Margret Hommelhoff, Kathrin Rating

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…und Vertreter vom Freundeskreis Wolfsbrunnen

Die RNZ berichtete: ehre-wem-ehre-gebuehrt-2008-12-09.pdf

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