Archiv für Dezember 2009

Die Vita eines Klosters

Weder Schnee noch Eiseskälte konnte die treue Fan-Gemeinde abhalten, den Weg hinauf zur Gaststätte zu gehen, um den letzten WolfsbrunnenAbend in diesem Jahr zu erleben - ging es doch um das attraktive „Gegenüber: Stift Neuburg“, dessen wechselvolle Geschichte in einem Vortrag von der Kunsthistorikerin Claudia Rink (MA) lebendig nachgezeichnet wurde.

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Die spannende Vita des Klosters begann 1130: Als Filialgründung des Klosters Lorsch wurde „Niwenburg“ zunächst als Männerkloster des Benediktinerordens gegründet, 65 Jahre später auf Initiative von Konrad von Staufen in ein Frauenkloster des gleichen Ordens umgewandelt – eine Entscheidung mit Hintergedanken. War es doch üblich, illegale Töchter oder missliebige Gattinnen in die Klöster abzuschieben…

Die Nonnen – zeitweise Zisterzienserinnen, dann wieder Benediktinerinnen – schlossen sich im 16. Jahrhundert der Reformationsbewegung an und verließen das Kloster, das 1562 aufgelöst und dann in ein Damenstift umgewandelt wurde.

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In den folgenden Jahrhunderten gab es immer wieder Ordens- und Besitzerwechsel, bis die Anlage schließlich privatisiert wurde.

Im Jahre 1825 erwarb der Kaiserliche Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser mit seiner Ehefrau Sophie Charlotte du Fay, das Anwesen als Sommersitz. Der Käufer war Schriftsteller und Privatgelehrter, stammte aus Frankfurt und war mit Goethe verwandt. So entstand in der ehemaligen Klosteranlage ein Goetheanum, das viele Besucher anzog – nur nicht Goethe sebst.

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Nach dem Tod des Ehepaares Schlosser erbte die verwandte Familie von Bernus den Besitz, pflegte und mehrte ihn. Wie bedeutend der Ort war, sieht man am „Gästebuch“: Joseph von Eichendorff, Carl Maria von Weber, Clemens Brentano, Johannes Brahms, Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Rudolf Steiner, Klaus Mann und viele andere namhafte Persönlichkeiten gaben sich dort ein Stelldichein.

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1926 wurde Neuburg von Alexander von Bernus an die Benediktiner verkauft, also wieder in ein Kloster rückverwandelt, das es bis heute geblieben ist.

Zur Zeit leben 15 Mönche in der Abtei Neuburg, Abt Franziskus Heereman leitet sie. Neben ihren liturgischen und seelsorgerischen Aufgaben arbeiten die Mönche in den klösterlichen Betrieben, widmen sich der Fischzucht und dem Gartenbau und verkaufen die Produkte in ihrem Klosterladen. Ihre weltberühmte Efeuzucht allerdings haben sie aufgegeben. Wie schade!

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Alles begann mit einem Apfel

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Lukas Cranach d.Ä., Das Paradies, 1530, Wien
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„Die Geschichte der Gartenkunst beginnt mit einem Apfel vom Baum der Erkenntnis und der selbstinszenierten Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, dem Garten Eden…“ - Kathrin Rating holte weit aus, schlug eine Brücke von Adam und Eva, dem verlorenen Paradies und der Sehnsucht der Menschen, es wiederzufinden oder ähnliches zu schaffen, bis hin zu den zahllosen Gärten und Parks, die überall und zu jeder Zeit diese Sehnsucht spiegeln - auch in Heidelberg!

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Im vollbesetzten Jetta-Saal der Gaststätte Wolfsbrunnen referierte Dipl. Ing. Kathrin Rating, Landschaftsarchitektin, über „Gärten der Heidelberger Altstadt“. Im Rahmen des Projektes Innenstadtentwicklung des Stadtplanungsamtes hat ihr Büro im Jahr 2008 das Thema „Heidelberger Gärten - Tradition & Zukunft“ bearbeitet, unterstützt u.a. von der Kunsthistorikerin Claudia Rink.
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Pläne um 1600 bis heute zeigen die Stadtentwicklung. Auf der Ansicht von Matthias Merian aus dem Jahre 1620 sieht man nicht nur die westliche Stadterweiterung, sondern auch die Nutzung der Vorstadt - überwiegend Gartenland. Auf weiteren Plänen und Luftbildern ist dann deutlich die zunehmende und bis heute anhaltende Verdichtung der Altstadt zu erkennen.

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Woher kommen die Gärten? Wie sind sie entstanden? Hierzu wurden diejenigen Flächen aus Archivalen zusammengetragen, die schon in der frühen Stadtgeschichte über Gärten im weitesten Sinne verfügten. Das sind zum einen Gärten an Kirchen, Klöstern und Spitälern bzw. Armenhäusern, zum anderen Gärten an Adels- und Bürgerhäusern sowie an kurfürstlichen Einrichtungen.
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Überlagerung historischer und aktueller Gartenflächen
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Der „Herrengarten“ zum Beispiel entstand zu Zeiten der Kurfürsten. Er lag zwischen Hauptstraße und südlicher Stadtgrenze und diente vor dem Bau des Hortus palatinus als Ort fürstlicher Geselligkeiten und Turniere. Vorgärten und kleine Hausgärten in der Landfriedstraße zeugen noch davon. Der Neubau der Jüdischen Studien hat nun allerdings ein weiteres Stück dieser Gartenfläche überbaut. Die innerstädtischen Freiflächen werden knapp - ‚Baustopp’ müsste die stadtplanerische Zielsetzung heißen!

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o.l. Altenpflegeheim St. Anna, o.r. privater Gartenhof, u.l. Haus der Rhenania, u.r. Café Schafheutle
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Mit vielen Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart machte Kathrin Rating die Heidelberger Gartenkultur lebendig: Klostergarten der Jesuiten, Haus Buhl, Palais Weimar, Palais Nebel, Villa Manesse, Café Schafheutle und viele mehr… auch der Wolfsbrunnen gehört natürlich dazu!

Für Heidelberg einen Gartenführer zu erstellen, ist Kathrin Rating’s lang gehegter Wunsch. Ein Gartenführer, „der die Heidelberger und ihre Gäste mit den in großen Teilen verborgenen Gartenschätzen zusammenbringt. Ein Gewinn für beide Seiten: die einen werden reicher in ihrem Erfahrungs- und Erlebnisschatz, die anderen - die Gärten - können sicherer auf ihre Zukunft blicken, ist doch das Wissen ‚um’ schon ein Schutz vor der Zerstörung und des leisen Verschwindens“

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Dezemberbrief 09

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Wolfsbrunnen blättert ab

Heidelberg 08-12-2009

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde des Wolfsbrunnens,

es kann nicht sein! Es darf nicht sein!

Es kann nicht sein, daß der Wolfsbrunnen durch den Verkauf der Gaststätte den Wert als Ort des kulturellen Gedächtnisses, als Ort der Geselligkeit und des Naturerlebens verliert.

Zwar hat der Gemeinderat dem Verkauf zugestimmt und die Anzeige ist in diversen Zeitungen erschienen, dennoch geben wir die Hoffnung auf eine würdige und lebenswerte Zukunft für den Wolfsbrunnen nicht auf.

Familie Hauschild arbeitet weiter zielstrebig an den Plänen einer gemeinnützigen Stiftung Wolfsbrunnen – wir unterstützen nach bestem Wissen und Gewissen diese Initiative.

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Wolfsbrunnen geht an Krücken

Das heißt: das Jahr 2010 wird nach einem Kurz-Winter-Schlaf im Januar wie gehabt geplant. Die Energie hierfür speist sich aus den durchweg positiven Erfahrungen, die wir bei allen Aktivitäten im endenden Jahr 2009 gemacht haben: Es waren unterhaltsame und erfolgreiche Arbeitseinsätze beim WolsfbrunnenTreff und den WolfsbrunnenWerkstätten – nicht ohne ein wohl ausgewogenes Maß an Zufriedenheit ob der geleisteten Arbeit - ein Dank spezial an die Mitarbeiter des Betriebshofes des Landschaftsamtes.

Es waren erkenntnisreiche Vorträge über die Hydrogeographie des Schlierbachtales, Besuche der Kaiserin Elisabeth von Österreich, die Gärten der Heidelberger Altstadt, ornithologische Führungen, Verköstigungen von allerlei Kräutern an Kartoffeln und Quark sowie Schlierbacher fangfrischer Forellen,… und es war wieder ein unvergesslicher Sommer-Abend-Traum – hier ein Dank spezial an die Mitwirkenden der Theatergruppe des Instituts für Heilpädagogik.

Ja, es klappt alles immer wunderbar und so schieben wir hoffnungsfroh die grauen Wolken zur Seite und planen das Jahr 2010, auf daß es wieder ein Jahr am Wolfsbrunnen wird, an das man sich mit Zufriedenheit, einem verschmitzten Lächeln und einer kleinen Portion Stolz über die geleistete Arbeit erinnern wird – so wie an das Jahr 2009.

Wir wünschen Ihnen eine gute, ruhige Zeit zum Jahresausklang, konstruktive, zukunftsweisende Gedanken für das Jahr 2010 und – wie immer

Frohes Schaffen

Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V.
Der Verein mit dem besonderen Engagement

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Wolfsbrunnen trotzt
und treibt Blüten

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Gegenüber: Stift Neuburg

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VORTRAG
Claudia Rink MA
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18. Dezember 2009, 19.30 Uhr
Gaststätte Wolfsbrunnen, Jetta-Saal
Wolfsbrunnensteige 15
Heidelberg-Schlierbach
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Einst von Benediktinern gegründet, während der Reformationszeit aufgehoben, 1706 von den Jesuiten wieder als Kloster übernommen, mal Männerkloster, mal Frauenkloster, begann schließlich 1799 die über 125 Jahre währende säkulare Zeit von Stift Neuburg bis es schließlich 1926 wieder zurück an den Orden ging, der es einst gründete. Die Benediktiner führen das Kloster bis heute. Anhand von Plänen, Zeichnungen und Photos soll die wechselvolle Geschichte von Stift Neuburg skizziert werden.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und einen interessanten Austausch mit unserem Gegenüber!

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