Archiv für März 2010

Der gelbe Wolfsbrunnen

1820wb-495.jpg
Wolfsbrunnen 1820, Kupfertstich von J. J. Meyer

Wussten Sie,

  • dass das Gasthaus zum Wolfsbrunnen mehrfach gelb verputzt war?
  • dass die nordöstliche Gebäudekante, wo die (aus Schutzgründen eingelagerte) Sandsteinsäule mit der Fürstenkrone stand und ein kleiner Mauerrest beim Kücheneingang die ältesten Bauteile sind?
  • dass der Zugang zu den oberen Geschossen - bis in die Neuzeit - nur über Außentreppen möglich war?
  • dass in einem Fensterglas des 2. OG „Mimi 1872“ eingeritzt ist?
  • dass die Fundamentmauer von 1550 immerhin 85 cm stark ist?
  • dass die Eigentümer, nämlich 12 Kurfürsten, die Badische Domänenverwaltung und seit 1870 die Stadtverwaltung das Haus immer wieder umbauten, vor allem aber in seiner Substanz und Funktion bewahrten (allerdings in abnehmender Häufigkeit seit dem 20. Jahrhundert und leider nur bis zum Jahr 2008!)?

vs-495.jpg
Folkwin Vogelsang

Wer wüsste das besser als Folkwin Vogelsang, der im Besitz eines Wolfsbrunneninventars seines Ururgroßvaters aus dem Jahr 1865 ist, dessen Familie seit Generationen mit diesem Haus verbunden ist?

Entsprechend groß war also das Interesse beim März-Vortragsabend und der Jettasaal des Wolfsbrunnens war bis auf den letzten Platz besetzt.

totale-495.jpg

Mit einer Fülle von Lageplänen, Architekturzeichnungen, Aufrissen, aber auch mit einer großen Zahl von Aquarellen, Zeichnungen und Gemälden aus den letzten drei Jahrhunderten verdeutlichte Folkwin Vogelsang äußerst sach- und ortskundig die wechselvolle Geschichte des Traditionsbaus: Beginnend mit den ersten Darstellungen des Wolfsbrunnenhauses durch den „Frankentaler Maler“ (1580), die schon die Einbuchtung der rustizierten Nordostkante zeigen, über Merian (1619), der den Brunnen wohl nicht korrekt abbildete, den zahlreichen Skizzen und Aquarellen von Graimberg, Fohr, Bender, Meyer, u.a. bis zur völligen Neugestaltung als „Schweizerhaus“ durch Weinbrenner (1822).

1822-haus-weinbrenner1-495.jpg

1822-haus-weinbrenner2-495.jpg
Ansichten Haus Weinbrenner 1822

Der Referent zeigte - unterstützt durch moderne Technik - mit Überblendung der Grundrisse, dass die Grundmaße des Hauses (etwa 8,50m mal 9,50m) seit Baubeginn beibehalten wurden. Bewunderung fand das erste Foto von 1874 mit der herrlichen Glashalle und den stilsicheren Anbauten, welche die simplen Baumaßnahmen der letzten 50 Jahre am Wolfsbrunnen geradezu beschämen.

Die nachfolgenden Fragen an Folkwin Vogelsang zeigten, dass die Fortsetzung seiner Vorträge erwünscht ist: Die Geschichte der fünf Teiche und Becken, der Nutzung des Hauses, der Wasserführung des Baches und der Quellen, zudem die Geschichte der oberen Anlage und des Brunnens vor dem Haus, der auf allen Darstellungen im Zentrum steht, der in neuerer Zeit leider durch ein falsch dimensioniertes Betongefäß ersetzt wurde und von dem einer der herrlichen Wolfsköpfe aus dem Jahre 1872 vor zwei Jahren entwendet wurde. Vieles harrt noch der Aufarbeitung und Darstellung.

Der 460. Geburtstag dieses Hauses in diesem Jahr kann also noch mehrfach gefeiert werden!

dsc_0090-150.jpg

____________________

Grüne Köstlichkeit

krautergruppe-495.jpg

Bereits zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte trafen sich botanisch Interessierte und Leckermäuler (was übrigens gut zusammen passt!) zur Kräuterwanderung mit dem Biologen Rüdiger Becker. Leander Becker, der Junior, war leider nicht mitgekommen: er war beim Schulfest unentbehrlich…

Die Hoffnung auf steigendes Thermometer und Schneeschmelze wurde erfüllt, auf den einsetzenden Regen hätte man allerdings gerne verzichtet. Doch wetterfest gekleidet ist alles halb so schlimm, und so machte man sich hoch motiviert auf die Suche nach den schmackhaften Frühlingsboten…

suche-495.jpg
(Bildmitte: Dipl. Biol. Rüdiger Becker)

Wegen des lang anhaltenden Winters waren noch nicht alle gewünschten Kräuter am Wolfsbrunnen zu finden. Und doch häuften sich in den Sammelkörbchen Mädesüß und Brennessel, Bärlauch und Giersch, Löwenzahn und andere Delikatessen…

Der anhaltende Regen erforderte Improvisation: deshalb fand das „Tischlein deck’ dich“ nicht wie geplant im Freien, sondern im „Eiskeller“ statt (ein guter Unterschlupf und nicht so eisig, wie der Name vermuten lässt!). Dort wurde die Ernte abgeliefert und verarbeitet…

ernte-495.jpg

Artenzahl und Menge reichten wieder für eine große Schüssel mit „grüner Soße“. Dazu gab es Pellkartoffeln, die von Familie Vogelsang vorbereitet wurden – echte Nachbarschaftshilfe, für die wir sehr dankbar waren.

Gemeinsam Kräuter sammeln und genießen, plaudern und diskutieren – und zwischendurch ein launiges Gedicht auf den Löwenzahn von Heidi Friedl… Auch der dritte Kräuternachmittag war wieder ein Naturvergnügen der besonderen Art und hat im Wolfsbrunnen-Programm seinen festen Platz.

dsc_0022-30.jpg

Baugeschichte des Wolfsbrunnens

grundriss-495.jpg

EINLADUNG

Baugeschichtliche Rekonstruktion des Wolfsbrunnens 1550-1890
Vortrag von Folkwin Vogelsang

26. März 2010, 19.30 Uhr
Gaststätte – Jettasaal
Wolfsbrunnensteige 15

farbe-30.jpg

Das Haus öffnet wieder seine Tore… für einen Abend… und lädt ein, genaueres über seine 460jährige Baugeschichte zu erfahren: wer hat wann in wessen Auftrag an- oder rückgebaut, wo sind die ältesten Bauteile, wo die jüngsten? Und am Ende des Abends wird die Frage stehen: wie geht es weiter?

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

farbe-30.jpg

Rund um den Suppentopf

Der Winter hat die Natur noch fest im Griff, Eis und Schnee bedecken den Boden. Und doch sind schon die ersten Wolfsbrunnen-Gärtner und Gärtnerinnen unterwegs, darunter die Jugendlichen des heilpädagogischen Instituts. Unter fachmännischer Anleitung inspizieren sie das Gelände, säubern und räumen, rupfen hier und schneiden da… Mit Sehnsucht wird der Frühling erwartet, das wohltuende Grün, das Knospen und Blühen…

wb-treff1-495.jpg

Die Mittagssuppe lädt alle zum Tafeln ein: die fleißige Crew im Gelände wie auch alle anderen Wolfsbrunnenfreunde und Gäste, die unverdrossen am Konzept „Wiederbelebung“ arbeiten.

wb-treff2-495.jpg

wb-treff3-495.jpg

Treffpunkt und Austausch sind enorm wichtig an diesem sonst verwaisten Ort. Das hat schon der WolfsbrunnenTreff im Februar gezeigt. Wegen Eis und Kälte gab es zwar noch keinen offiziellen Arbeitseinsatz, aber schon mal ein Treffen rund um den großen Suppentopf - und der war danach leer…

Also weiter so! Der nächste Arbeitseinsatz bzw. WolfsbrunnenTreff mit Suppentopf ist am 10. April ab 10 Uhr. Sie sind herzlich eingeladen!

Märzkräuter

In der Hoffnung, dass endlich das Thermometer steigt und den Schnee schmelzen lässt laden wir Sie herzlich zum diesjährigen Kräuter sammeln und verkosten ein

am Samstag, 20. März 2010, um 15 Uhr

KRÄUTER SAMMELN AM WOLFSBRUNNEN
unter Anleitung von Leander & Rüdiger Becker

4xzubereiten-495.jpg

Man nehme:
Bär-Lauch (Allium ursinum)
Brennnessel (Urtica dioica)
Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria)
Gewöhnlicher Giersch (Aegopodium podagraria)
Knoblauchsrauke (Allaria petiolata)
Sauerampfer (Rumex acetosa)
Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)
Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata)
Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris)
Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella)
Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris)
Wiesen-Labkraut (Galium mollugo)
Wiesen-Löwenzahn (Taraxacum officinale)
Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium)
+
Saure Sahne, Joghurt, hart gekochte Eier, Salz
=
Ein Naturvergnügen der besonderen Art!

dsc_0022-30.jpg