Archiv für Juni 2011

Fundstücke

…never stop exploring! So lautete unsere Einladung zur Stadtwald-Exkursion…

Gestoppt haben wir nicht, nein, und werden auch in der Zukunft nicht stoppen – zumindest was das Erforschen und Erkunden der Geheimnisse des Heidelberger Stadtwaldes betrifft.

Wie angekündigt traf sich der Freundeskreis Wolfsbrunnen am Samstag, 25. Juni, zu seiner 3. Exkursion unter der Leitung von Gerhard Hornung am Blockhaus.

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Von dort ging es los, anfänglich noch auf Wegen, danach über Stock und Stein zum Rosettenstein. Da lag er, von Geheimnissen über wann, von wem, warum und wofür umhüllt, eindeutig steinmetzmäßig behauen, jedoch nicht zu Ende gefertigt.

Dieses Werkstück erinnert an die Mühlsteine, die der Freundeskreis bei seiner 1. Exkusion vor 2 Jahren besichtigte. Auch sie waren teilweise nicht vollendet und liegen nun schon seit langer Zeit als unfertige Steine im Wald. Antworten auf die Fragen zur Geschichte konnten auch jetzt nicht gegeben werden, es muß doch einmal jemand darüber forschen und u.a. der Frage nachgehen, ob eventuell durch die Verlagerung der kurpfälzischen Residenz nach Mannheim die Arbeiten an dem Rosettenstein eingestellt wurden.

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Ähnliche Fragen stellten sich dann wieder bei dem nächsten Objekt unserer Begierde: die zerbrochenen Schale. So wurde sie von G. Hornung angekündigt. Bei näherem Hinsehen  allerdings wirkt die Schale eher wie eine Sitzbadewanne in forstlichem Ambiente, garantiert mit Fichtennadel-Duft. Auch hier großes Erstaunen mit A und O, noch keiner von uns hatte zuvor von der Existenz eines solchen Troges gehört. Sie liegt inmitten eines steilen Hanges, zugewachsen, nicht einsehbar und schwer erreichbar.

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Und so soll es auch mit beiden Stücken bleiben, denn: je bekannter diese Objekte werden, um so gefährdeter ist ihre Zukunft. Möge die Natur wieder ihr grünes Tuch darüber decken, das nur gelüftet werden soll, um das Geheimnis dieser Steine zu erforschen.

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… never stop exploring

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… never stop exploring

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Exkursion Nr. 03 mit Gerhard Hornung
Heidelberger Stadtwald

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25. Juni 2011 - 11 Uhr
Treffpunkt Parkplatz Blockhaus Gaiberger Weg

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Die Spurensuche im Heidelberger Forst geht weiter: waren es in den letzten Jahren die Mühlsteine und der Rosettenstein,  so wollen wir uns nun auf den Weg machen, endlich die zerbrochene Schale zu entdecken und mehr über das Woher + Warum zu erfahren.

Kommen Sie und begleiten Sie uns auf der Spurensuche - es wird spannend!
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Donnerstag – Picknicktag!

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Der Frühsommer lädt zum Picknick ein. Auf geht’s – packen Sie Ihr Körbchen mit Leckereien und kommen Sie zum Wolfsbrunnen – zu diesem wunderbaren Ort, an dem man den Feierabend genießen und Kraft für den nächsten Tag sammeln kann.

Bei schönem Wetter treffen wir uns dort donnerstags ab 18.00 Uhr zum Picknick (das heißt, wer Lust und Zeit hat), lassen den Tag revue passieren, schmieden Pläne zur Zukunft des Wolfsbrunnens oder halten uns frei von allem und entspannen uns einfach in der Natur…

Mit der JettaRunde am Donnerstag/9. Juni um 19.00 Uhr eröffnen wir die Picknicksaison und freuen uns auf Ihre Gesellschaft!

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Nach-Gedanken…

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Schloss Favorite Rastatt mit Erster + Zweiter Orangerie (links + rechts der Allee)
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Nach-Gedanken zur
Führung durch den Garten Schloss Favorite
mit Dr. Hartmut Troll / Staatliche Schlösser + Gärten

Mit Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden, Bauherrin von Schloss + Garten Favorite hätte man sich zusammen tun sollen – sie war für ihre Zeit, nein sie wäre auch für unsere Zeit eine bemerkenswerte, tatkräftige und kunstsinnige Persönlichkeit:

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3x Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden
Regentin, Bauherrin, Kunstsammlerin

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  • Mit 16 Jahren heiratete sie den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, offensichtlich aus Liebe, wie der Notiz an ihren Großvater zu entnehmen ist: “Gestehe es aber Euer Gnaden, das ich ein solche lib vor Ihm (d.i. Ludwig Wilhelm) hab, die gewiss nicht grösser seyn khan und khan Euer Gnaden nicht genug underdehnigen Dank sagen, das Sie haben gnädigst erlauben wollen, das wir Einander haben, denn wenn ich nur bey Ihm wehre, wehre ich das glücksehligste Mensch auf der gantzen weld.” (26.6.1691).
  • Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie mit 32 Jahren, stellvertretend für den noch minderjährigen Erbprinzen die Regierungsgeschäfte, die sie 20 Jahre mit hoher Diplomatie und Erfolg leitete.
  • 1710, also 3 Jahre nach dem Tod des Markgrafen, begann sie mit der Planung und dem Bau von Schloß und Garten Favorite. Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in Schlackenwerth/Böhmen mit einer prächtigen Gartenanlage dürften Vorbild für die Planung gewesen sein.

Dieser Frau verdanken wir diesen Ort, dessen Geschichte 1710 gegann und dessen Veränderungen und Umplanungen uns heute erleb- und sichtbare Zeichen seiner Entwicklung der letzten 300 Jahre vermitteln.

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Freundschaftstreffen im Schlossgarten - Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V. und Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) e.V.

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:: Bild groß ::
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Grundlage war das Konzept einer barocken Gartenanlage – man vergleiche Versailles und andere französische Gärten des 17. Jahrhunderts. Es bildet heute noch die prägende Gestaltgebung des südlichen Bereiches einschließlich der Orangeriebauten und der Eremitage.

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Erste Orangerie - offene Architektur

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Dr. Hartmut Troll / Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, verantwortlich für den Bereich Objektmanagement und historische Gärten

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Schloss Favorite – Eingangsbereich

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Schlossfassade mit Kieselsteinverputz – Grottenarchitektur als Vorbild
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Mit dem Ende der Regentschaft der Markgräfin verlor Schloß und Garten eine wichtige Fürsorgerin. Es wir berichtet, daß der Garten verwilderte und brachlag.

1788 findet eine Renaissance des Gartens statt: Markgraf Karl Friedrich beauftragt Johann Michael Schweyckert mit der Gestaltung im englischen Stil – ausschließlich den nördlichen Teil der Anlage.

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Gartenseite mit Freitreppe

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Dr. H. Troll - Hinweis auf dendrologischen Rundgang

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Nach alten Vorbildern informieren botanische Schilder aus Email über Namen und Herkunft der Bäume
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Auf dieser Grundlage von 1788 und den Folgejahren stellt sich der Garten heute dar und macht seinen Wert aus. Es ist das Zusammenwirken von zwei Stilen, dem barocken und dem englischen Gartenstil, wie wir ihn von Schwetzingen kennen. In Favorite kann man dieses Nebeneinander aufgrund der Größe mit einem Blick erfassen, ähnlich dem Blättern in einem Lehrbuch über die Geschichte der Gartenkunst.

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Der Wasserfall – unverzichtbares Gartenelement

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Das profunde Wissen von Dr. Hartmut Troll, seine lebendige Wissensvermittlung, hat diesen Rundgang zu einem ganz besonders reichen Erlebnis gemacht, wofür wir uns auf diesem Wege nochmals bedanken.

Es sind die Verweise über die Herkunft der Bodenmodellierung, auf die Technik der Wasserwirtschaft, es ist das Aufzeigen von Blickachsen oder der Hinweis zur Pflege der Anlage, die die Kostbarkeit dieses Kulturgutes resp. Gartendenkmals deutlich machen.

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Ensemble - Schloss und Weiher
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Zum Abschluß dieser Nach-Gedanken soll der Ort erwähnt werden, der auch Abschluß der Führung war - es ist die Eremitage. Im Fall von Favorite handelt es sich um eine christlich-religiöse Zielsetzung und nicht, wie in anderen Parkanlagen, um eine mehr skurrile, irritierende – man denke an den Schmuckeremiten. Und an dieser Stelle wandern dann die Nach-Gedanken auch bis zum Wolfsbrunnen und an seine noch verborgenen Geschichten.

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Einkehr in der Eremitage
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