Archiv für Oktober 2011

Führung zum Wolfsbrunnen

Eine der beliebten stadtgeschichtlichen Spaziergänge, die von dem Schriftsteller Michael Buselmeier und dem Leiter des Kulturamts Hans-Martin Mumm geleitet werden, führte am Sonntag, 16. Oktober, vom Schloss über den Schloss-Wolfsbrunnen-Weg zum Wolfsbrunnen.

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Michael Buselmeier (mit Buch), Hans-Martin Mumm (mit Manuskript)

An dieser Straßenverbindung, von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schon in den 1920er Jahren als eine der schönsten Straßen Deutschlands gerühmt, lebten viele berühmte Heidelberger und so dauerte der Spaziergang mit drei Dutzend Gästen auch mehrere Stunden.

Vor uns hatten schon viele berühmte Besucher Heidelbergs diesen Weg genommen, z.B. schreibt Richard Wagner am 12. Juli 1877 in sein Tagebuch: „(…) Abends wunderschöne Fahrt (vom Schlosshotel) nach dem Wolfsbrunnen; prächtiger Sonnenuntergang. Abends auf der Terrasse völliges Idyll. (…) In keiner Gegend ist uns so heimisch gewesen.“

Am Zielort stellte Hans-Martin Gäng den Freundeskreis Wolfsbrunnen vor und gab einen Überblick über die Neugestaltung und Zukunft des Gasthauses.

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Holz vor der Tür

Bei schönstem Wetter trafen sich nun bereits zum elften Mal etwa zwei Dutzend Freunde und Freundinnen des Wolfsbrunnens zu der traditionellen halbjährlichen „Werkstatt“. Wieder wurden wir vom Landschaftsamt mit Personal und Maschinen unterstützt, auch das Heilpädagogische Institut Schlierbach war mit jungen Helfern an unserer Seite.

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Während die Fachkräfte des Landschaftsamts mit Freischneidern den unerwünschten Aufwuchs (Brombeeren, Knöterich) am Osthang des Tales bekämpften und den Schredder bedienten, waren wir über einige Stunden damit beschäftigt, Äste, Zweige und Stammabschnitte der drei gefällten Bäume aus dem Quellengarten auf den Rundweg zu tragen. Eine recht mühsame und zeitraubende Handarbeit, die ohne freiwillige Helfer nicht zu bezahlen wäre. Ganz zu schweigen vom stundenlangen Zureichen der Äste und Zweige an den Fachmann am Schredder… übrigens: ohne Lärmschutz auf den Ohren wäre das unmöglich gewesen! Das Pflanzenmaterial, das an diesem Tag verarbeitet wurde, füllte schließlich drei Kleinlaster!

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Durch Abschöpfen der Algen von außen gelang es uns, die Oberfläche des Teiches frei zu legen, ohne das Leben der Pflanzen und Tiere unter der Wasseroberfläche zu stören - sicher ein Fortschritt zu den Vorjahren, als wir den Teich deshalb zu einem großen Teil entleert hatten. Der unmittelbare Uferbereich des Teichs wurde selbstverstänlich auch in diesem Herbst von Hand gepflegt und der Bachlauf von störendem Aufwuchs befreit.

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Dass die Vorsitzende des Freundeskreises wieder köstliche Suppe zur Mittagszeit servierte, dass leckere Kuchen (Quitte mit Kornel-Kirsche, Apfel) von Vereinsmitgliedern das abschließende Beisammensein belohnten, gehört schon zur Tradition dieser „Werkstatt“. Es gibt das Gerücht, manche kämen nur deshalb…
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Nicht auszudenken

wäre es gewesen, wenn die drei Bäume, die oberhalb und außerhalb des Quellengartens die uralten Umfassungsmauern zum Einsturz gebracht hätten!

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Die Bäume waren in den vergangenen Jahrzehnten immer größer geworden und hatten sich - der Sonne entgegen - mit immer größer werdendem Gewicht über das historische Mauerwerk gebeugt. Ihre Wurzeln hatten die Mauer an einigen Stellen bereits aufgesprengt.

Seit sechs Jahren bemüht sich der Freundeskreis Wolfsbrunnen pflegerisch aktiv um den Erhalt dieses archäologisch geschützten Denkmals – sollte ausgerechnet jetzt diese Mauer zusammenfallen? Ein unerträglicher Gedanke!

Nun wurden die drei Bäume im Auftrag der Stadt gefällt und die alte Mauer wird stehen bleiben!

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Ein herzliches Dankeschön an die Verantwortlichen und die Spender, die auf diese Weise die Umfassung des Quellengartens gesichert haben!

Die Kosten wurden gemeinsam getragen: Ein Drittel von den Mitgliedern des Freundeskreises, ein Drittel vom Eigentümer des Grundstücks (Stadt Heidelberg) und ein Drittel von Spendern aus unserem Stadtteil.

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WolfsbrunnenWerkstatt Nr. 11

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Liebe Freunde der Wolfsbrunnen-Anlage,

nein, Baggerfahren ist bei der WolfsbrunnenWerkstatt Nr.11 nicht angesagt – dies ist derzeit zur Hangsicherung am Gasthaus erforderlich. Stattdessen werden wir mit ungebrochener Zuversicht unsere begonnene Pflege von Baum, Strauch und Kraut fortsetzen, das heißt: für jedes Muskelpotential gibt es was zu tun.

Unsere stetige Pflegearbeit in den letzten 6 Jahren hat das Tal als Tal mit Weitblick (innerlich + äußerlich) erhalten. Größere gestalterische Eingriffe sind in Arbeit und werden im Zusammenhang mit dem Baufortschritt am Gasthaus konkretisiert werden. An erster Stelle steht der Bereich über den Brunnenstuben, der ‚Quellengarten’.

Die WolfsbrunnenWerkstatt Nr.11 wird, der Tradition folgend, mit dem Landschaftsamt der Stadt Heidelberg stattfinden … wir freuen uns darauf.

Wir freuen uns ebenfalls über neugierige, aufmunternde Besucher der WolfsbrunnenWerkstatt Nr.11, die uns in unserem schweißtreibenden Wirken unterstützen. Auch ihnen ist ein Teller der 12-Uhr-Suppe und ein Stück des Wolfsbrunnen-Kuchen-Sortiments gewiß.

Auf geht’s zur WolfsbrunnenWerkstatt Nr.11!
Wir wünschen wie immer

Frohes Schaffen
Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V.

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hier beim Arbeitseinsatz im April 2011: WolfsbrunnenWerkstatt Nr.10!……………………………………………………………………………………………………………..

Auf dem Schoß und bei Fuß

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EINLADUNG
zum WolfsbrunnenAbend im Oktober

Auf dem Schoß und bei Fuß -
Der Hund in Darstellungen der europäischen Kunst

VORTRAG
Hans-Martin Gäng

Donnerstag, 27. Oktober, 19 Uhr
Bürgerhaus
Schlierbacher Landstraße 130
69118 Heidelberg - Schlierbach

Hans-Martin Gäng, der uns bereits den Wolf und den Wanderfalken vorgestellt hat, gibt uns dieses mal mit zahlreichen Bildern einen kunstgeschichtlichen Zugang zur Tierwelt.

„Kraft ohne Anmaßung, Mut ohne Wildheit, mit allen Tugenden des Menschen, ohne seine Laster“. Lord Byron, 1808, Grabspruch für einen Hund.

Seit etwa vierzehn Jahrtausenden ist der Hund Gefährte des Menschen, er hilft ihm bei der Arbeit und Jagd, er ist Spielgefährte und Freund, er gehört zur Familie. In der Beziehung zum Menschen ist der Hund ein Symbol der Treue, der Beständigkeit, er verkörpert den Status und Wohlstand seines Besitzers. In der Mythologie steht er zwischen den Lebenden und den Toten, in der Religion verkörpert er Reinheit, Tugend aber auch das triebhaft Animalische. In der Kunst ist die Darstellung des Hundes nicht nur schmückendes Beiwerk, der Hund im Bild vermittelt dem Betrachter zusätzliche Informationen zum Dargestellten und er ist Bedeutungsträger für Bildinhalte, die nicht offensichtlich sind.

Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V.
Kontakt: H.-M. Gäng T: 805518
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Keine Rutschgefahr mehr für den Wolfsbrunnen!

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Als vor Jahresfrist bei Starkregen nicht nur die Waldwege am Wolfsbrunnen tief ausgespült wurden, sondern auch der Hang hinter dem Gasthaus stellenweise abrutschte, musste umgehend ein Teil der Straße oberhalb der historischen Gaststätte gesperrt werden.

Es stand außer Frage, dass dieses Straßenstück neu gegründet und damit auch der Hang, dessen Abrutschen das Gasthaus bedroht, umgehend stabilisiert werden musste. Diese dringende Sicherung erforderte Prüfung, Planung, Ausschreibung und Finanzierung, was einige Monate in Anspruch nahm.

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“Riesen-Dübel”
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“Riesen-Nägel”

In der letzten Septemberwoche wurde nun zügig mit den Arbeiten begonnen: Meterlange Stahlnägel wurden in tiefe waagrechte Bohrungen im brüchigen Hang verankert, auf der Außenseite mit Stahlnetzen verbunden, die wiederum mit Beton zu einer stabilen Mauer ausgegossen wurden.

Nun ist der Hang vor weiterem Abrutschen gesichert, das Gasthaus kann an seinem Standort renoviert und ausgebaut werden.

Die Autofahrer hoffen, dass die darüber liegende Straße bald wieder auf ihre Breite geöffnet werden kann und wir sind sicher, dass das Betonband der Hangsicherung schnell im Grün des Waldes verschwinden wird.

Nun kann die Renovierung  des Gasthauses beginnen!

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Orte der Begegnung

Es war vor etwa einem Jahr, als wir bei unserem Arbeitseinsatz am Wolfsbrunnen mit einem neugierigen Passanten ins Gespräch kamen. Wir luden ihn zu unserer traditionellen Mittagssuppe ein, setzten das Gespräch fort – und zu unserer Überraschung stellte sich heraus, dass dieser Gast nicht nur ein Kenner des Wolfsbrunnens, sondern auch des benachbarten Stifts Neuburg war. Eine Begegnung mit Folgen…

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Prof. Dr. Jürgen Egyptien

…denn so kam es, dass wir Prof. Dr. Jürgen Egyptien als Referenten für einen WolfsbrunnenAbend gewinnen konnten, den wir am 30. Oktober 2011 gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt, dem Heidelberger Geschichtsverein und dem Freundeskreis Stift Neuburg in der Aula von Stift Neuburg durchführten.

Prof. Dr. Jürgen Egyptien, Germanist an der RWTH (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule) Aachen und Verfasser des „Spuren“-Hefts „Stefan George auf Stift Neuburg“ (Deutsche Schillergesellschaft Marburg am Neckar), berichtete von den Jahren um 1910, als Stefan George und sein Kreis oft Gäste von Alexander von Bernus waren, dem damaligen Besitzer des Stifts.

Abt Heeremann konnte unter den zahlreichen Zuhörern auch eine Tochter von Alexander von Bernus begrüßen. Hans-Martin Gäng gab in einer Einleitung einen vergleichenden Überblick über die wechselhaften Schicksale der beiden Erinnerungs- und Begegnungsorte der Heidelberger Kultur- und Geistesgeschicke (Stift Neuburg und Wolfsbrunnen) und freute sich, dass diese beiden „magischen Orte der Heidelberger Romantik“ aus ihrem „Dornröschenschlaf“ erwacht sind.

Prof. Dr. Jürgen Egyptien schilderte – unterstützt durch viele Bilder – die heitere Geselligkeit einer hoch gestimmten Gruppe ideal gesinnter Menschen, die sich hier am Vorabend des Ersten Weltkriegs bei einem großzügigen Gastgeber trafen, spät aufstanden, im eigens angelegten Schwimmbad (!) im Garten badeten, die Sonne und das Neckartal auf der Terrasse genossen, zeichnend und malend den Nachmittag verbrachten und sich bis spät in die Nacht mit Schicksalsfragen und Gesprächen über die Kunst, Gott und die Welt beschäftigten.

Spiritistische Übungen mit Tischrücken und Geisterbeschwörungen fanden damals großes Interesse. In der „George-Zelle“ und auf dem nächtlichen Flur wurden Stimmen und ein Rumpeln gehört, selbst nach einem versteckten und geweissagten Schatz wurde gegraben. Zum Auftreten des Halley`schen Kometen 1910 wurden Schattenspiele und Szenen gestaltet. Mittelpunkt der Treffen war der charismatische Dichter Stefan George, der alle Anwesenden in seinen Bann zog und das Tagesprogramm dominierte.

Der Referent, aber auch die Tochter von Alexander von Bernus konnten einige Fragen aus dem Publikum klären und der laue Sommerabend ließ uns noch einige Stunden im Freien der Stiftsgastronomie verbleiben.

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Stift Neuburg
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