Archiv für Juni 2012

Heimspiel

Es war uns eine große Freude, ihn und seine “Studis” am Wolfsbrunnen zu begrüßen!

Prof. Dr. Hartmut Troll/Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ist uns wohl bekannt: als Experte für Landschafts- und Gartenarchitektur hat er uns schon durch Schloss und Park Favorite Rastatt und zweimal durch den Schwetzinger Garten geführt (siehe Archiv Oktober 2010, Juni 2011, April 2012). Im Juni war dann ein Gegenbesuch fällig.

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v.l.n.r.: Hartmut Troll, Folkwin Vogelsang, Kathrin Rating
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Im Rahmen seines Lehrauftrags am Institut für Europäische Kunstgeschichte in Heidelberg - Thema: „Der formale Garten. Gartenkunst in Renaissance und Barock“ - machte Hartmut Troll mit seinen Studenten eine Exkursion zum Wolfsbrunnen.

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v.l.n.r.: Folkwin Vogelsang, Kathrin Rating, Hartmut Troll
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Kathrin Rating und Folkwang Vogelsang hatten gemeinsam eine Führung durch das Gelände vorbereitet, die den Ort aus vielerlei Aspekten beleuchtete – Geschichte, Wissenschaft, Architektur, Kultur, Natur… und die daran orientierte Arbeit des Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V.: Denkmal- und Naturschutz in Theorie und Praxis!

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im Quellengarten
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Im Dreiklang der Experten wurden Fragen zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Anlage diskutiert. Neueste Forschungsmethoden zur Orts- und Zeitbestimmung von Pflanzen und Erdreich kamen zur Sprache und wurden weitergedacht. Die Geschichte des Wolfsbrunnens hat noch viele Lücken. Ob sie jemand der angehenden Kunsthistoriker igendwann schließen wird…?

“Die Resonanz bei den Studis war äußerst positiv”, wie Hartmut Troll in einer kurzen Rückmeldung schrieb. Sie alle waren beeindruckt vom Wissen und Engagement der Freunde des Wolfsbrunnens.

Danke - darüber freuen wir uns sehr! Und seien Sie jederzeit willkommen – ob zu den Geländearbeiten, den Veranstaltungen oder einfach nur so…

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…um die Magie des Ortes zu spüren!
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“Villa Rustica”

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EINLADUNG

Spaziergang mit Rotraud Koenemann zur
„Villa Rustica“

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Freitag, 29. Juni 2012, 16.30 Uhr
Treffpunkt auf dem Parkplatz am
Neckargemünder Bahnhof

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Vor der Zeitenwende begann die Herrschaft der Römer in unserer Gegend. Sie dauerte mehr als 500 Jahre.

1969 fand man zufällig im Wald bei Wiesenbach einen Hinweis auf eine „villa rustica“, einen römischen Gutshof. Was von dem Anwesen heute noch zu sehen ist, wollen wir bei einem Spaziergang erkunden.

Wir treffen uns auf dem Parkplatz vor dem Neckargemünder Bahnhof und fahren dann unter Führung von Frau Koenemann mit möglichst wenig Autos in Richtung Bammental/Wiesenbach. (Wir gehen davon aus, dass nicht alle Teilnehmer mit S-Bahn, Bus, Fahrrad oder zu Fuß anreisen.)

Von dem Ort, wo wir die Autos stehen lassen können, ist die Fundstätte etwa eine halbe Stunde Fußweg entfernt – es geht leicht bergauf.

Frau Koenemann wird uns die Ausgrabungen und das damalige Leben im Römischen Reich erklären.

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Ans Herz gewachsen

O Täler weit, o Höhen,
o schöner grüner Wald,
du meiner Lust und Wehen
andächtger Aufenthalt!
Da draußen stets betrogen,
saust die geschäftge Welt,
schlag noch einmal die Bogen
um mich, du grünes Zelt!…

Joseph von Eichendorff, Abschied (1810)

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Das innige Verhältnis der Deutschen zum Wald war das Kernthema, das Hans-Martin Gäng in seinem reich bebilderten Vortrag „Unter Bäumen“ aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtete und befragte:

Wie und wodurch wurde unser eigenes Bild vom Wald geprägt?

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Holländer Michel? Kohlemunk-Peter? Glasmännlein? Räuber Hotzenplotz?
siehe Wilhelm Hauff: Das kalte Herz, 1827
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:: Waren es die Märchen „Hänsel und Gretel“, „Rotkäppchen“ u.a., deren Helden sich im Wald verirrten, rätselhaften Geschöpfen begegneten und Abenteuer bestehen mussten?

:: Waren es die Försterbücher, Tier- und Heimatfilme oder wurden wir durch die Literatur von Karl May, Ludwig Ganghofer und Peter Rosegger stimuliert?

:: Waren es die Waldspaziergänge mit der Familie oder der röhrende Hirsch, das Alpental, was als Gemälde über dem Wohnzimmersofa hing?

Mit Fotos aus dem Familienalbum, Ansichtskarten, Filmplakaten und anderen persönlichen Sammelobjekten tastete sich Hans-Martin Gäng an die Kunstgeschichte heran, wo Baum oder Wald in allen Zeiten präsent ist und sich zum eigenständigen künstlerischen Sujet entwickelt hat.

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Heinrich Wilhelm Trübner, Einfahrtsweg zu Stift Neuburg (1913)
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Dies belegte Hans-Martin Gäng mit zahlreichen Beispielen – von der Antike bis heute, wobei sein Fokus auf der „Zeit des Wolfsbrunnens“ lag, der Zeit der Romantik und des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In Caspar David Friedrich, Arnold Böcklin, Hans Thoma und Ferdinand Georg Waldmüller sieht er typische „Waldmaler“, die den Wald als kulturgeschichtlichen Projektionsraum für das (spät)romantische Lebensgefühl nutzten. Natürlich waren auch „Heidelberger Waldbilder“ von Karl Philipp Fohr (1795-1818), Carl Anton Joseph Rottmann (1797-1850) und Heinrich Wilhelm Trübner (1851-1917) in seiner Galerie zu sehen.

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Heinrich Wilhelm Trübner, Stift Neuburg – Stiftsterrasse (1913)
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Mit der Besinnung auf die heroische Vergangenheit, die siegreiche Schlacht im Teutoburger Wald, die napoleonische Besatzung und die Befreiungskriege machte das beginnende Nationalbewusstsein der Deutschen den Wald zum nationalen Symbol.

Eine von vielen Annäherungen an die Beantwortung der eingangs gestellten Frage nach dem innigen Verhältnis der Deutschen zum Wald. Die anschließende Diskussion brachte neue Sichtweisen und Erkenntnisse, provozierte auch Fragen. Es war ein WolfsbrunnenAbend mit feinem Nachgeschmack - auch wegen des originellen kulinarischen Beiwerks!

WALDMEISTER

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Über allen Gipfeln
Ist Ruh’,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Johann Wolfgang von Goethe, Ein Gleiches (1780)

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