Archiv für September 2012

Wanderung zum Tatort - eine nicht nur kriminalistische Exkursion

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Am 21.9.2012 war es endlich soweit, man traf sich am Bahnhof Schlierbach-Ziegelhausen und die schon so lange geplante Exkursion zu den “Bürgermeistermordsteinen” unter Führung von Gerhard Hornung konnte endlich in Angriff genommen werden.

Auf der Wanderung fand eine wundersame Vermehrung der Exkursionsteilnehmer statt, wir waren mit 9 Personen gestartet, 11 standen dann an den “Bürgermeistermordsteinen” - wenn diese Vermehrung doch auch mit unserer Freundeskreis-Mitgliederzahl so unauffällig und stetig stattfinden könnte…!

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Friedrich-Franz Koenemann berichtet in seinem Buch „Wanderungen durch Heidelberger Wälder - Ziele am Wegesrand“ auch über unser Ziel und gibt die Fakten wieder: Oberbürgermeister und Bürgermeister der Stadt Herford/Westfalen trafen sich in Heidelberg und brachen zu einer Wanderung auf - wohl von Neckargemünd nach Heidelberg. Beide kehrten nie in ihr Hotel zurück.

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Zusammengestellte Trupps suchten in den nächsten Tagen an verschiedenen Stellen der Heidelberger Wälder, da man das genaue Ziel der Wanderung der beiden nicht kannte. Erst 12 Tage später fand man etwas entfernt vom Linsenteich-Auweg die unter Steinen und Geröll versteckten Leichen der beiden - der eine erschossen, der andere erschlagen. In einem Indizienprozess wurde der Eisenbahnarbeiter L. Siefert, der trotz schwer belastender Hinweise bis zum Schluss seine Unschuld beteuerte, verurteilt und auch hingerichtet.

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Nachdem wir uns lange genug gegruselt und trefflich spekuliert hatten, scheuchte uns Gerhard Hornung - zunächst noch auf einem sehr schmalen Pfad, zum Schluss querbeet - den Berg hoch, um uns den größten Mühlstein zu zeigen, den man in den Heidelberger Wäldern gefunden hat. Wir alle waren tief beeindruckt von dem Werkstück, das nahezu fertig behauen dort liegt.

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Herr Schwaier, Heimatforscher und Exkursionsteilnehmer, wies noch klärend schelmenhaft darauf hin, dass wir doch sehr dankbar sein sollten, dass das Forstamt Heidelberg keine Kosten und Mühen gescheut hätte, eine standesgemäße Vogeltränke im Heidelberger Wald zu etablieren; geschätzte Tiefe der Tränke ~ 10 cm.

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Aber es ging nicht nur um Mord und Mühlsteine - wir mussten uns auch einer strengen forstbotanischen Prüfung durch Frau Koenemann unterziehen: „Was ist denn das da für ein Nadelbaum? Wie heißt dieser Farn? Wie dieses Gras?“. Beschämt mussten wir unser individuelles und kollektives Nicht-Wissen offenbaren.

Nach gut 2 1/2 Stunden trafen wir ohne Verluste wieder am Schlierbacher Bahnhof ein, aber: reich belohnt. Und schon freuen wir uns auf die nächste Expedition in der Reihe

“never stop exploring“.

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Rund ums Holz

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Am 9. September fand wie in jedem Jahr der Tag des offenen Denkmals bundesweit statt. Thema Holz.

Und wie in jedem Jahr nutzte der Freundeskreis den Tag, um unser Projekt vorzustellen, um für den Ort zu werben und um auf aktuelle Probleme hinzuweisen.

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Holz gibt es am Wolfsbrunnen genug, tot oder lebendig, gesund oder krank, jung oder alt.

Uwe von Taschitzki, Mitarbeiter des Landschaftsamtes, erläuterte anhand von Holzexponaten in lebendiger und spannender Weise Besonderheiten des Baumwuchses. Vieles war den Zuhörern neu, z.B. der Zunderschwamm (Fomes fomentarius), der als Feuerspender schon bei Ötzi gefunden wurde.

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Oder die Erkennungsmerkmale des Spechtes, der auf der Suche nach Futter regelmäßige Muster am Stamm hinterlässt.

Ein herzliches Dankeschön an Uwe von Taschitzki, verbunden mit der Bitte, das Wissen noch vielen Heidelberger Bürgern zu vermitteln.

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Das Thema Holz wurde zum Anlaß genommen, zum wiederholten Male auf das Problem des Quellengartens hinzuweisen. Bis heute ist dieser Teil nicht zugänglich, da die Standsicherheit der Bäume und damit die Verkehrssicherungspflicht von Seiten der Stadt nicht gewährleistet ist. Übersehen wird dabei, daß bei Sturm die alten Bäume auf das alte Mauerwerk und die Zaunanlage fallen und großen Schaden anrichten können.

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Der Freundeskreis wird sich auch weiterhin um eine Lösung bemühen und nicht nachlassen, die Stadt zum Handeln zu bewegen.

Unser Spezialhistoriker Folkwin Vogelsang hat bei zwei Führungen die Geschichte des Wolfsbrunnens in bewährter Manier anhand zahlreicher Pläne und Bildern erläutert. Und wieder konnte er mit neuem Archivmaterial überraschen. Wir hoffen, daß das Material nach Fertigstellung des Hauses einen würdigen Platz im Museumszimmer finden wird.

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Andreas Hauschild als Geschäftsführer der Wolfsbrunnen gGmbH verbreitete Optimismus zum Baufortschritt, zum gastronomischen Konzept und versprach, daß man sich in 2014 am Tag des Offenen Denkmals im schattigen Biergarten zum Ausklang niederlässt. Voraussetzung: das Wetter ist 2014 so wunderbar, wie es in diesem Jahr war.

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Die „Bürgermeister-Mordsteine“

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Exkursion mit Gerhard Hornung zu den
„Bürgermeister-Mordsteinen“ im Schlierbacher Wald

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Zwei Gedenksteine aus Findlingen erinnern im Schlierbacher Wald an den Oberbürgermeister Wilhelm Busse und an den Bürgermeister Leopold Werner, beide aus Herford an der Werre, die am 29. Juni 1921 an dieser Stelle ermordet wurden. Als mutmaßlichen Täter nahm man den Schlosser und Eisenbahnarbeiter Friedrich Siefert aus Ziegelhausen fest, der später in einem Indizienprozess durch das Schwurgericht in Heidelberg zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.*

Diese Gedenksteine sind das Ziel unserer Wanderung  durch den Schlierbacher Wald unter Führung von Gerhard Hornung. Er wird uns unterwegs noch mehr Einzelheiten zu diesem Aufsehen erregenden Doppelmord erzählen.

* Bilder und Text aus K.-H. Knörr, Schlierbach - Geschichte und Geschichten, Heidelberg, 1999

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Freitag, 21. September 2012, 14 Uhr
Treffpunkt am S-Bahnhof Heidelberg-Schlierbach
(an der Haltestelle Bus 33 Richtung Ziegelhausen)

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