Archiv für Oktober 2012

13 - eine Glückszahl für den Wolfsbrunnen!

Dass die 13 Unglück bringt, halten wir für ein Gerücht! Für uns jedenfalls ist die 13 eine Glückszahl; denn auch bei der 13. WolfsbrunnenWerkstatt seit Gründung des Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V. kamen viele, nämlich rund 30 Helferinnen und Helfer, um das weitläufige Gelände zu pflegen. Und dabei hatten wir wieder das schönste Herbstwetter - ein Glückstag also für den Wolfsbrunnen!

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Dem Arbeitseinsatz voraus gegangen war eine planende Besprechung mit dem Landschaftsamt der Stadt Heidelberg, um festzulegen, wo genau am Wolfsbrunnen in diesem Herbst pflegerisch gearbeitet werden musste: so wurde gemeinsam mit den Fachkräften des Landschaftsamts der Osthang von Brombeeren, Farnkraut und unerwünschtem Aufwuchs befreit. Nach dem Abmähen musste das Pflanzengut recht mühsam über eine beträchtliche Strecke zu dem vereinbarten Sammelplatz getragen oder im Schubkarren gefahren werden. Dieses Grünzeug – so hoffen wir – wird von der Stadt bald abgeholt.

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Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit – wie auch in den Vorjahren – war die Teichreinigung, d.h. die Entnahme von Algen und Wasserpest. Dazu musste ein Großteil des Wassers abgelassen werden, um die treibenden Wasserpflanzen abschöpfen zu können. Und immer wieder passiert Unvorhergesehenes: im Abflussrohr hatte sich ein Holzblock verkeilt, der schwierig zu entfernen war. Schade, dass es immer Leute gibt, die Äste, Steine und Unrat in den Teich werfen und nicht über die Folgen nachdenken – ein bißchen mehr Liebe und Achtung täte der Natur und dem Menschen gut!

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Ein junger Apfelbaum, ursprünglich auf der anderen Neckarseite im Sinne von „Guerilla Gardening“ wild gepflanzt, wurde von der Stadt in Obhut genommen und fand jetzt einen neuen Standort am unteren Talausgang. Schön, dass der Spender bei der Verpflanzung anwesend war! Möge das Bäumchen Früchte tragen – zur Freude der Besucher des Wolfsbrunnens…!

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Dass auch bei dieser 13. Werkstatt wieder die jungen Leute des heilpädagogischen Instituts in Schlierbach/IEH tatkräftig mitgearbeitet haben, war sehr hilfreich und wir Wolfsbrunnenfreunde sind darüber voller Dank und Anerkennung. Denn durch Alter und Krankheit – das ist leider die Tatsache – verringert sich allmählich die Zahl der Aktiven vom Freundeskreis Wolfsbrunnen. Gemeint sind damit diejenigen, die noch im Gelände arbeiten können. „Aktiv“ und unentbehrlich sind nämlich auch diejenigen, die für die Verpflegung sorgen: Suppen kochen, Kuchen backen, Kaffee kochen… kurz – für das leibliche und gesellige Wohl sorgen.

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Ein Dank an alle! Denn wenn jeder das gibt, was er kann, wird die Durststrecke bis zur Wiedereröffnung der Gaststätte Wolfsbrunnen 2014 erträglich sein. Wir wissen alle, wie langsam, aber auch wie schnell Zeit vergehen kann – also MUT!

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„I’ bin so frey“

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Die „Posselts-Lust“ – Ausflugsziel bei Heidelberg, Ort der Erholung und Zerstreuung, des Naturerlebens und Lustgefühls – so ähnlich muss es auch der Schreiber einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1898 (Stadtarchiv Heidelberg) empfunden haben, als er handschriftlich hinzufügte „I’ bin so frey“.

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Hugo Mechler bei seiner Führung, Bildmitte

Diese Begeisterung für den Ort hätte Dr. Louis Posselt (1817-1880), Heidelberger Stadtrat und Professor der Pharmazie hoch erfreut; denn er war es, der der Nachwelt mit dem Posseltslustturm ein reizvolles Kleinod oberhalb des Kohlhofs stiftete. In seinem Testament verfügte er, dass *„gleich nach seinem Tode auf seine Kosten am Waldesaume in der Nähe des von den 3 Eichen auf dem Kohlhofer-Felde mündenden Wegs“ nach den Plänen des Stadtbaumeisters Schaber „ein Aussichtstürmchen und Lusthäuschen gebaut werden möge“, wo man freie Aussicht auf das Kraichgauer Hügelland hat, die „Posselts-Lust“.

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Bereits ein Jahr nach Posselts Tod 1881 wurde das im Stil der Frührenaissance errichtete Bauwerk feierlich eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben. In den Jahren 2008 bis 2009 nahm die Stadt Heidelberg aufwendige Sanierungsarbeiten vor, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziell unterstützt wurden. Seitdem erstrahlt die Posseltslust in neuem Glanz – dank auch den engagierten Bürgern, wie Hugo Mechler. Der langjährige Kohlhofbewohner ist mit der Geschichte der Posseltslust bestens vertraut und ließ uns bei seiner Führung daran teilnehmen.

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Oskar Harbich demonstriert die Suche mit der Wünschelrute

Ihm zur Seite stand Oskar Harbich, Architekt und geobiologischer Berater, der die Posseltslust und ihre Umgebung auch mit der Wünschelrute untersuchte. Anlass war ein *Zeitungsartikel von 1881, dem zu entnehmen ist, dass der rund um den Posseltslustturm angelegte kleine Park mit einer Fontäne, einer Grotte und einem Teich ausgestattet war.

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Oskar Harbich forschte nach und wurde fündig. Seinen Ergebnissen nach steht die Posseltslust auf einer Wasserader, die sich hinter dem Turm fächerförmig teilt – möglicherweise gab oder gibt es auch ein Rohrsystem zu den erwähnten „Wasserspielen“. Die Indizien sprechen dafür, der Beweis ist noch nicht erbracht, die Anlage hütet bis heute ihr Geheimnis…

*(Artikel der Heidelberger Zeitung vom 21. August 1881)

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Von der Posseltslust führt ein Pfad den Hang hinunter zum Landgasthof „Alter Kohlhof“ und weiter zum Klinikbereich - vorbei an den wenigen Häusern der Kohlhofbewohner.

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Einer von ihnen ist der Künstler Pieter Sohl. Er bewohnt mit seiner Frau Birgit ein liebevoll hergerichtetes Haus, eingebettet in einen märchenhaften Garten, der bevölkert ist von den unterschiedlichsten Geschöpfen aus dem Atelier des Künstlers.

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Es gab ein herzliches Willkommen im Haus, Garten und Atelier des Künstlers!

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Pieter Sohl in seinem Atelier

Pieter Sohl arbeitet mit fast allen Materialien und in fast allen Techniken: „Es gibt kaum eine Technik, mit der ich nicht abeite“, sagte er einmal, „immer entdecke ich etwas Neues. Endlos ist die Ausdrucksweise in der Kunst. Man müsste ewig leben können!“

Auch beim Arbeiten mit Glas findet Pieter Sohl seine Ausdrucksweise – so schuf er zum Beispiel das Glasfenster im ehemaligen Jettasaal der Gaststätte Wolfsbrunnen. Wegen der umfassenden Renovierung wurde es ausgebaut, zwischengelagert und wartet jetzt auf seinen neuen Platz…

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WolfsbrunnenWerkstatt Nr. 13

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Liebe Wolfsbrunnen-Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

in der Hoffnung, daß Ihre Begeisterung für den Wolfsbrunnen trotz Baumaßnahmen nach wie vor groß ist und vom Optimismus genährt wird, möchten wir alle Freunde dieses Ortes zur

WOLFSBRUNNEN-WERKSTATT Nr. 13
Samstag, 20. Oktober 2012, ab 9.00 Uhr einladen.

Wie in all den vorangegangenen WolfsbrunnenWerkstätten werden wir gemeinsam mit dem Landschaftsamt der Stadt Heidelberg die begonnene Pflege an Baum, Strauch und Kraut fortsetzen. Ziel ist, im Tal die naturgegebene Geländemodellierung und die stimmungsvollen Blickbeziehungen zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

Die Tradition fordert, daß wir uns - wie bei allen WolfsbrunnenWerkstätten - um 12.30 Uhr zu einem leckeren Wolfsbrunnen-Eintopf à la Jetta mit herbstlichen Zutaten treffen.

Danach geht’s weiter - so lange und so intensiv, wie man mag. Zwischendrin kann sich jeder an mitgebrachtem Kuchen und Kaffee stärken.

Zum Abschluß noch zwei Dinge:
Gäste zum Aufmuntern und zum Mitspeisen sind herzlich willkommen. - Auch die WolfsbrunnenWerkstatt Nr. 13 wird wieder ein tatkräftiges Beispiel bürgerschaftlichen Engagements zur Erhaltung eines Heidelberger Kulturgutes werden.

Frohes Schaffen garantieren wir.

Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V.
Der Verein mit dem besonderen Engagement

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Ausflugsziel: Posseltslust

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Fotos: links Posseltslust, rechts Pieter Sohl
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Ausflugsziele zum Ende des 19. Jahrhunderts:
Posseltslust
Führung von und mit Hugo Mechler

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Samstag, 13. Oktober 2012
14 Uhr: Treffpunkt vor der Posseltslust
15 Uhr: Besuch des Ateliers von Pieter Sohl, Kohlhof 7
Cedernwaldweg direkt unterhalb der Herzklinik

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„Nun ist die Posseltslust doch kein so außergewöhnlicher oder geschichtsträchtiger Platz, und dennoch mutet einiges geheimnisvoll und mysteriös an und lässt sich einfach nicht entschlüsseln. Vielleicht ist es auch gerade das, was neben der landschaftlichen Schönheit und der Anmut der Anlage für mich den besonderen Reiz dieses Ortes ausmacht.“

Mechler, Hugo: Zur Geschichte der Posseltslust in: „Posselts-Lust“ in neuem Glanz. Festschrift zur Restaurierung der Posseltslust, hrsg. v. Stadt Heidelberg, Heidelberg 2009, S. 6-8.

Anschließend entführt uns der Bildhauer und Kunstmaler Pieter Sohl in das Paradies seines Wirkens – ein Erlebnis der besonderen Art. Von ihm stammt das Buntglasfenster im ehemaligen Jettasaal der Wolfsbrunnen-Gaststätte, das eines Tages im renovierten Anwesen als „Licht-Bild“ wieder einen Platz haben wird.

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Foto Posseltslust von www.heidelberg-marketing.de
Foto Pieter Sohl von www.pietersohl.de

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