Archiv für Februar 2014

Ein Werkstattgespräch mit Kathrin Rating

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Ortstermin: 22. Februar, 9 Uhr, Wolfsbrunnen
Freundeskreismitglied im Gespräch mit Kathrin Rating
bei einem Rundgang im Gelände

F: Heute findet zum 15. Mal die Wolfsbrunnenwerkstatt – und wie üblich – in Kooperation mit dem Landschaftsamt der Stadt Heidelberg statt. Die notwendigen Pflegearbeiten im Gelände wurden schon vor Wochen mit allen Beteiligten besprochen und vorbereitet. Was steht denn heute auf Ihrer to-do-Liste, Frau Rating?

KR: An erster Stelle steht natürlich ein Moment des Innehaltens, um den Ort mit allen Sinnen nach einer langen Pause wieder wahrzunehmen… Dann wird es heute ein highlight geben: der Quellengarten, davon später mehr. Der nord-östliche Teil des Tales muß noch von Brombeeren freigemäht und einzelne Gehölze müssen entnommen werden, um Einzelbäume freizustellen.

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F: Der Quellengarten im oberen Bereich des Wolfsbrunnens war seit 2009 nicht mehr zugänglich. Mangelnde Sicherheit wurde seitens der Stadt als Grund genannt. Das rief den Freundeskreis auf den Plan: man wollte es genau wissen, fragte nach, blieb hartnäckig, diskutierte mit Experten und den Verantwortlichen. Heute soll im Quellengarten wieder gearbeitet werden – wie haben Sie das erreicht?

KR: Ja, es war ein schwieriger Weg, der beharrliches Vorgehen und kein Nachlassen erforderte.

Es begann mit dem Wechsel der Zuständigkeit von den Stadtwerken zur Stadt, hier dem Landschaftsamt. Das Gelände wurde im nicht „renovierten“ Zustand übergeben, womit die Frage der Verkehrssicherheit bis zum heutigen Tag auf dem Tisch lag. Fragen waren: sind die Bäume standsicher und vital, sind die unteririschen Gänge und die Brunnenstuben standsicher. Für die Antwort fühlte sich niemand so recht zuständig. Auch ein Krisen-Ecktisch im August 2011 mit allen beteiligten Ämtern, Zweckverbänden und vielen mehr brachte keine Klärung. Zum Schluß scheiterte es an den Finanzen, kein Geld für ein statisches Gutachten. Und hier ist der Freundeskreis in die Vorlage gegangen und hat ein Gutachten in Auftrag gegeben.

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Das Gutachten, ohne jetzt zu ausführlich zu werden, trifft die Aussage, dass nicht die Gänge (ausgenommen die vordere Brunnenstube) einen Gefahrenpunkt darstellen, sondern Teile der Stützmauer. Es wird eine Ausgrenzung vorgeschlagen. Heute aber gilt es, durch Mäh- und Schnittarbeiten, die alten Strukturen wieder sichtbar zu machen. Und es gilt, am Gestaltungskonzept auf der Grundlage gartendenkmalpflegerischer Erkenntnisse weiter zu arbeiten

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F: Der Anfang ist also gemacht… bravo! Auch an den Laichbiotopen müssen wichtige Arbeiten vorgenommen werden. Was ist geplant?

KR: Tja, die Natur hat uns einen Strich durch unsere Agenda gemacht: die Temperaturen haben die Amphibien jetzt schon aus ihren Winterquartieren gelockt, die Wanderung zu den Laichbiotopen hat schon begonnen.

F: Das überrascht nicht - der Winter, der keiner war, hat die Natur ziemlich durcheinandergebracht! Dann steht noch die Verlegung einer Wasserrinne auf dem Programm. Woher kommt das Wasser, das sie transportiert?

KR: Ja, auch die Wasserrinne, genauer die Wegeentwässerung musste vertagt werden, weil aufgrund der zurückgestellten Arbeiten an den Laichbiotopen kein Kleinbagger zur Verfügung stand. Nun müssen die Spaziergänger weiterhin einen großen Schritt über das kleine freche Bächlein machen, das seinen Weg hangabwärts zum Schlierbach hin suchte und offensichtlich auch gefunden hat.

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F: Auch wenn die eine und andere Arbeit vertagt werden muss, zu tun gibt es mehr als genug! Aber es gibt nicht nur Arbeit, es gibt auch Tafelfreuden, die traditionelle Wolfsbrunnensuppe und genügend Kaffee & Kuchen Pausen.

KR: Oh, ja! Tische und Bänke müssen bald nach Beginn der Arbeiten im Gelände aufgestellt werden, denn kleine Pausen müssen immer gemacht werden. Dazu müssen die Kaffe- und Teekannen gefüllt sein, genügend Wasser und Schorle Flaschen parat stehen und das eine und andere süße Teilchen, um den Blutzuckerspiegel aufzufrischen.

Die traditionelle Wolfsbrunnensuppe à la Fee Jetta mit Brot, Wurst und Kräuterbutter wird um die Mittagszeit freudig erwartet. Die große Tafelrunde wird etwas erschöpft, aber munter plappernd die Auszeit genießen, bzw. das Ende der Arbeit begrüßen. Man wird zufrieden von dannen ziehen und alle Zweifel ob der Sinnhaftigkeit unseres Tuns mit Schwung und Elan zur Seite schieben.

Dank an dieser Stelle für alle Helfer von nah und fern, alt und jung.
Einen Dank auch an die Sonne und den blauen Himmel,
eine Ahnung von Frühlingserwachen lag in der Luft.

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Das turbulente Leben der Lady Hamilton

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EINLADUNG

Das turbulente Leben der Lady Hamilton
Vortrag von Hans-Martin Gäng

Donnerstag, 27. März 2014, 19 Uhr
im Bürgerhaus HD -Schlierbach
Schlierbacher Landstraße 130

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Um das Leben von Amy Lyon, spätere Lady Hamilton (1765 -1815), ranken sich pikante Episoden, melodramatische Ereignisse und zahllose Legenden. Von Skandalen umwittert und europaweit - bewundernd oder schockiert - beobachtet, war ihre Dreiecksbeziehung mit ihrem Gatten, dem englischen Botschafter im Königreich Sizilien, Lord Hamilton und dem englischen Nationalhelden Admiral Lord Nelson. Als Tochter eine Hufschmieds und einer Dienstmagd gelang ihr als begabte und gelehrige Muße von Dandys und Aristokraten der soziale Aufstieg.

Ihre Schönheit und ihre Ausstrahlung machten sie zur meist porträtierten Frau des 18. Jahrhunderts. Mit ihrer Schauspielkunst „Attitüden“ und ihrem Gesang faszinierte sie die Gäste der Botschaft, die auf der „Grand Tour“ durch Italien die Residenz in Neapel besuchten: Herder war peinlich berührt, Goethe war begeistert. George Bernard Shaw verewigte sie in „Pygmalion“, wir kennen sie aus dem Musical „My Fair Lady“.

Sie ist die erste Frau der Neuzeit, die ihr Leben als darstellende Künstlerin und als Traumbild einer schönen und erfolgreichen Abenteuerin selbstbewusst inszenierte. Ob die „It-Girls“ unserer Zeit -  Amy Winehouse, Paris Hilton, Lady Gaga - ebenso lange im Gedächtnis als lebendes Kunstwerk bleiben werden?

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Schlierbach im Fokus der Denkmalpflege

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Aus “Kulturdenkmale in Baden-Württemberg”: “Eine Forstkarte von 1812 zeigt die Siedlungsansätze bei der Einmündung des Schlierbachs (mit dem oberhalb gelegenen Wolfsbrunnen) und des Rombachs.”
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Der Referent unseres ersten Vortrags in diesem Jahr, Dr. Christian Ottersbach, dokumentierte im Auftrag der Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg über viele Monate die Kulturdenkmale Schlierbachs. Diese sind in der 2013 erschienenen gewichtigen und zweibändigen Veröffentlichung „Kulturdenkmale in Baden-Württemberg: Stadtkreis Heidelberg aufgezählt und beschrieben. Der Kunsthistoriker, der z.Zt. ein Gutachten für die Stadt Schwerin für den Antrag auf Anerkennung als Weltkulturerbe erstellt, erwies sich als hervorragender Kenner unseres Stadtteils.

Nach einem geografischen und historischen Überblick konzentrierte sich Dr. Ottersbach auf die Zeit nach der Jahrhundertwende, als sich wohlhabende Industrielle aus Ludwigshafen und Mannheim, aber auch Künstler und Professoren Villen und Landhäuser entlang des Schloss-Wolfsbrunnenwegs erbauen ließen.

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Aus “Kulturdenkmale in Baden-Württemberg”: “Einschnitt des Schlierbachtals mit dem historischen Stadtkern. Luftbild 2010.”
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An gut ausgewählten Fotos zeigte und erläuterte Ottersbach, wie Bauherren und Architekten in den 1920er Jahren unterschiedlichste Baustile und Zeitalter - ihrem persönlichen Geschmack folgend - späthistoristisch verwirklichten.
Die Schauspielerin Tilly Dellon-Mantei wünschte sich z.B. in einem spätgotischen burgartigen Haus mit Zinnen, Altan und Zugbrücke (Schloss-Wolfsbrunnenweg 34) zu wohnen.

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Schloss-Wolfsbrunnenweg 34
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Sehr beliebt war im nun weit verbreiteten Landhausstil das „Schweizerhaus“, das gut zu dem „Leben außerhalb der Stadt“ passte.

Wer es sich leisten konnte, orientierte sich am barocken Stil des Adels mit dreiflügeligen Bauten um einen „Ehrenhof“, formalen Terrassengärten und großzügigen Landschaftsgärten. Die Villa Bosch ist ein Beispiel, wie Formen und Elemente französischer Schlosskultur - in etwas nüchterner Ausführung - übernommen wurden.

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Villa Bosch, Schloss-Wolfsbrunnenweg 33
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Die Villa Reiner - mit bürgerlichem Wappen an der Außenwand - lässt sich stilistisch bis auf das 16. Jahrhundert (Villa Emo im Veneto von Andrea Palladio) zurückführen.

Dass um 1900 die „Heimatschutzarchitektur“ im Reformstil bedeutende Villen in Schlierbach entstehen ließ, zeigen die Anwesen Hausackerweg 6, Am Rosenbusch 12 oder Am Schlierbachhang 39.

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Am Rosenbusch 12
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Für die Architekturgeschichte überaus bedeutungsvoll ist das 1924 als Sommerhaus für einen Direktor der BASF erbaute Holzfertigteilhaus Jettaweg 8. 1924 in nur acht Wochen (!) erstellt, ist es eines der besterhaltenen Beispiele für eine typologisch eindeutige, moderne und landschaftlich angemessene Bauform. „Ach, würden die heutigen Architekten und Bauherren doch auch so schnell, so preisgünstig und so schön bauen!“ seufzte ein Besucher.

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Jettaweg 8
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Der Referent wies auf bedeutende kleine Bauten hin, die leicht übersehen werden: Die ehemaligen Bahnwärterhäuschen (Am Grünen Haag 22, Wolfsbrunnensteige 2), die Umspannstation am Hausackerweg-Schloss-Wolfsbrunnenweg, Hauseingänge und Wegkreuze sind bedeutende Werke. Dass auf dem Gelände des Anwesens Rombachweg 11 vielleicht die älteste Garage Heidelbergs (1909) noch immer in ihrer alten Form besteht, wussten wohl wenige Besucher.

In der Aussprache nach dem Vortrag kam es zu einer intensiven Diskussion über das im 17. Jahrhundert zerstörte „Forellenhaus“, dessen Reste sich vielleicht unter dem Anwesen Schlierbacher Landstraße 136 befinden könnten.

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Wolfsbrunnen-Werkstatt Nr. 15

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Liebe Wolfsbrunnen-Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

unverdrossen und vom Optimismus genährt möchten wir alle Freunde dieses Ortes zur

WOLFSBRUNNEN-WERKSTATT Nr. 15
Samstag, 22. Februar 2014, ab 9.00 Uhr

einladen.

Wir hoffen zwar, dass es noch einmal Winter und kalt wird (schon, um die Feuchtwiese bei gefrorenem Boden zu mähen), aber es sollte doch nicht so viel Schnee kommen, als dass die Werkstatt wie im letzten Jahr erneut ausfallen müsste.

Wie in den letzten Jahren werden wir gemeinsam mit dem Landschaftsamt der Stadt Heidelberg die begonnene Pflege an Baum, Strauch und Kraut fortsetzen. Ziel ist, im Tal die naturgegebene Geländemodellierung und die stimmungsvollen Blickbeziehungen zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

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Die Tradition fordert, dass wir uns wie bei allen Wolfsbrunnen-Werkstätten um 12.30 Uhr zu einem leckeren Wolfsbrunnen-Eintopf à la Jetta treffen. Danach geht’s weiter - so lange und so intensiv, wie man mag und kann. Es wird auch Zeit sein, sich an mitgebrachtem Kuchen und Kaffee zu stärken.

Wie immer: Gäste zur Mitarbeit, zum Aufmuntern und zum Mitspeisen sind herzlich willkommen.

Auch die Wolfsbrunnen-Werkstatt Nr. 15 wird wieder ein Beispiel bürgerschaftlichen Engagements zur Erhaltung dieses Heidelberger Kulturgutes werden.

Frohes Schaffen garantieren wir.

Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V.
Der Verein mit dem besonderen Engagement

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