Ans Herz gewachsen

O Täler weit, o Höhen,
o schöner grüner Wald,
du meiner Lust und Wehen
andächtger Aufenthalt!
Da draußen stets betrogen,
saust die geschäftge Welt,
schlag noch einmal die Bogen
um mich, du grünes Zelt!…

Joseph von Eichendorff, Abschied (1810)

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Das innige Verhältnis der Deutschen zum Wald war das Kernthema, das Hans-Martin Gäng in seinem reich bebilderten Vortrag „Unter Bäumen“ aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtete und befragte:

Wie und wodurch wurde unser eigenes Bild vom Wald geprägt?

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Holländer Michel? Kohlemunk-Peter? Glasmännlein? Räuber Hotzenplotz?
siehe Wilhelm Hauff: Das kalte Herz, 1827
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:: Waren es die Märchen „Hänsel und Gretel“, „Rotkäppchen“ u.a., deren Helden sich im Wald verirrten, rätselhaften Geschöpfen begegneten und Abenteuer bestehen mussten?

:: Waren es die Försterbücher, Tier- und Heimatfilme oder wurden wir durch die Literatur von Karl May, Ludwig Ganghofer und Peter Rosegger stimuliert?

:: Waren es die Waldspaziergänge mit der Familie oder der röhrende Hirsch, das Alpental, was als Gemälde über dem Wohnzimmersofa hing?

Mit Fotos aus dem Familienalbum, Ansichtskarten, Filmplakaten und anderen persönlichen Sammelobjekten tastete sich Hans-Martin Gäng an die Kunstgeschichte heran, wo Baum oder Wald in allen Zeiten präsent ist und sich zum eigenständigen künstlerischen Sujet entwickelt hat.

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Heinrich Wilhelm Trübner, Einfahrtsweg zu Stift Neuburg (1913)
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Dies belegte Hans-Martin Gäng mit zahlreichen Beispielen – von der Antike bis heute, wobei sein Fokus auf der „Zeit des Wolfsbrunnens“ lag, der Zeit der Romantik und des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In Caspar David Friedrich, Arnold Böcklin, Hans Thoma und Ferdinand Georg Waldmüller sieht er typische „Waldmaler“, die den Wald als kulturgeschichtlichen Projektionsraum für das (spät)romantische Lebensgefühl nutzten. Natürlich waren auch „Heidelberger Waldbilder“ von Karl Philipp Fohr (1795-1818), Carl Anton Joseph Rottmann (1797-1850) und Heinrich Wilhelm Trübner (1851-1917) in seiner Galerie zu sehen.

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Heinrich Wilhelm Trübner, Stift Neuburg – Stiftsterrasse (1913)
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Mit der Besinnung auf die heroische Vergangenheit, die siegreiche Schlacht im Teutoburger Wald, die napoleonische Besatzung und die Befreiungskriege machte das beginnende Nationalbewusstsein der Deutschen den Wald zum nationalen Symbol.

Eine von vielen Annäherungen an die Beantwortung der eingangs gestellten Frage nach dem innigen Verhältnis der Deutschen zum Wald. Die anschließende Diskussion brachte neue Sichtweisen und Erkenntnisse, provozierte auch Fragen. Es war ein WolfsbrunnenAbend mit feinem Nachgeschmack - auch wegen des originellen kulinarischen Beiwerks!

WALDMEISTER

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Über allen Gipfeln
Ist Ruh’,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Johann Wolfgang von Goethe, Ein Gleiches (1780)

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