Goethe bei strömendem Regen

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Am 30. Juli, 19.30 Uhr versammelte sich eine durchnässte Fan-Gemeinschaft im Bürgerhaus Schlierbach, um Jürgen Tröger bei seinem Vortrag über „Goethe in Heidelberg“ zu lauschen. Auf die übliche kurzweilige Art entwickelte er ein Bild Heidelbergs zum Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts, einer Zeit, in der sich Heidelberg von der verlassenen Residenz zu einem Teil des aufbrechenden, neu gegründeten Großherzogtums Baden entwickelte, in der die wieder gegründete alte Universität zu neuen Ufern aufbrach und der geistige Aufschwung ablesbar wurde an den Namen der Besucher, denen die Stadt eine Reise wert war - nicht zuletzt eben Goethe, den es immer wieder in entscheidenden Momenten seines Lebens nach Heidelberg zog.

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Der Wolfsbrunnen um 1820, Kupferstich von J. J. Meyer
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Hier stand er vor der Wahl, sein Leben auf Weimar auszurichten, hier rastete er auf seinem Weg nach Italien, und hier traf er, wenn auch nur für wenige Stunden, Marianne von Willemer, für die - oder  kann man sagen, mit der ? -  er 1815 den West-östlichen Divan schuf. Herr Tröger hat die Fähigkeit, bescheidene Details, die er seiner bewundernswerten Belesenheit verdankt, in große Zusammenhänge zu stellen und so ein lebendiges Bild einer vergangenen Zeit zu malen. Die Zuhörer folgten gebannt und hatten viele Fragen. Das einzige Bedauern des kunstvollen Abends bezog sich auf die Lücken in der Dokumentation von Goethes Heidelbergbesuchen. Und vor allem auf die Tatsache, dass er sich bis auf die winzige Notiz über einen Spaziergang nicht zum Wolfsbrunnen äußerte…
Der Abend endete zu später Stunde, der Regen hatte aufgehört - und im Wolfsbrunnental hingen dicke Tropfen an den Maispitzen der Fichten.