Gegenfrage: Wann ist ein Wald aufgeräumt?

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“Aufgeräumter Heidelberger Wald 1645“ (Matthäus Merian)

Die Frage der Vorsitzenden Kathrin Rating - „Wer räumt den Wald auf?“ - an den Abteilungsleiter des Städtischen Forstamts Friedrich Kilian wurde von diesem mit der bedenkenswerten Rückfrage an die zwei Dutzend Gäste gekontert: „Wann ist ein Wald aufgeräumt, wann ist er ordentlich, wann ist er unordentlich?“

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Friedrich Kilian (oben) und Publikum

Die Antworten des Publikums - „Wenn nach dem Fällen der Bäume alles Restholz beseitigt wurde! Wenn man eine freie Sicht links und rechts des Weges hat! Wenn die Waldwege gepflegt sind! “ - nutzte Friedrich Kilian, um einen ausführlichen Überblick über die zeitgemäße Pflege des heimischen Waldes zu geben: Längst sind die Zeiten vorüber, als der Wald als Weide für Haustiere genutzt wurde, Stammholz als wichtigster Baustoff diente, alte Menschen und Kinder zum Brennholz sammeln im Wald zugange waren, große Wälder für die Glasherstellung abgeholzt wurden, Rinde für die Lohgerber hoch begehrt war. Unsere Generation heizt mit Öl und Gas, gebaut wird mit Beton.

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Wolfsbrunnen-Freunde beim „Aufräumen“ im Quellengarten

Die Nachhaltigkeit der Waldwirtschaft, das heißt nur so viel Holz zu schlagen wie nachwächst, gilt heute nicht nur für die Holznutzung, sondern insbesondere für die biologische Vielfalt, für die Wasserversorgung, den Bodenschutz und für den Schutz unseres Klima. Entsprechend haben sich die Aufgaben der Waldpflege erweitert: Es gilt die Artenvielfalt der Bäume - in Heidelberg ein Drittel Nadelbäume, zwei Drittel Laubbäume - zu erhalten. Hier haben die großen Stürme (Vivian, Wiebke, Lothar) gezeigt, dass reine Fichtenbestände den Klimaveränderungen nicht gewachsen sind.

Die Waldfläche in Deutschland wächst, auch im Heidelberger Stadtwald könnte man ohne Nachteil weit mehr Holz als jährlich etwa 24 000 Festmeter schlagen. Das Forstamt veranschaulicht durch einen dicken Holzbalken (zeitweise vor der Heiliggeistkirche und auf dem Königstuhl gelagert), dass diese Holzmenge alle 18 Minuten im Heidelberger Wald heran wächst.

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Für den Heidelberger Stadtwald, 3 300 ha groß, ist die Erholungsfunktion von größter Bedeutung: Spaziergänger, Wanderer, Jäger, Jogger, Mountainbiker, Free-Rider, Nordic-Walker wollen den Wald auf ihre Art genießen. Oft stoßen diese Interessen sich hart im Raum, manche wollen Stille und Naturgeräusche, andere sich sportlich austoben oder an einer Grillhütte feiern. So ist das Bildungsprogramm „Natürlich Heidelberg“ mit über 7 000 Teilnehmern eine Hauptaufgabe des Forstamts, das hierbei von den Naturschutzorganisationen und Ehrenamtlichen unterstützt wird.

Der Chronist dieses unterhaltsamen und inhaltsreichen Vortrags freut sich u.a. über die aktiven Ehrenamtlichen, welche die Wegweisersteine im Stadtwald reinigen und neu beschriften. Aber auch die Aktiven des Freundeskreises Wolfsbrunnen leisten nun bereits im sechsten Jahr die Pflege des Waldrands am Wolfsbrunnen. Ohne unsere Arbeit hätte der Wald längst das gesamte Tal erobert!

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Arbeitseinsatz bei der WolfsbrunnenWerkstatt 13

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