Walliser Schwarzhalsziegen an den Wolfsbrunnen?

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Trotz des schneidend kalten Windes hatten sich am 23. März viele Freundinnen und Freunde des Wolfsbrunnens zu einer Exkursion am Steinberg in Handschuhsheim eingefunden, um ein anderes Heidelberger Kleinod zu besichtigen.

Der Steinberg, wie unser Wolfsbrunnen um 1550 zum ersten mal urkundlich (als Eigentum der Grafen von Helmstadt) genannt, bietet mit seinen Weinbergterrassen Flora und Fauna den wärmsten Ort auf Heidelberger Gemarkung. Entsprechend haben sich dort seit langem wärmeliebende Arten angesiedelt, die eines besonderen Schutzes bedürfen. Die gestalterische Anlage des Berges mit Trockenmauern, Treppen, Terrassen, Gärten und Weinstöcken belegen unendliche Mühe, Arbeit aber auch den hohen Stand der Agrikultur unserer Vorfahren.

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Heute überwuchern Brombeere, Gebüsch und der nahe Wald - mit seinen Wildschweinen! - die Gärten. Viele Mauern und Treppen verfallen. Nicht alle Eigentümer bringen noch die Kraft, die Zeit und die Finanzen auf, ihren Garten oder Wingert zu pflegen. Auch die Nutzungsinteressen haben sich gewandelt: Statt landwirtschaftliche Güter zu ernten, will man sich heute auf seinem Grundstück erholen: Rasen, Grill, Wochenendhütte, Parkplatz, Sichtschutz durch Anpflanzung von Nadelgehölz verändern rapid den Charakter des Steinbergs. Wie am Wolfsbrunnen stellt sich auch hier die Frage: Welchen Zustand des Steinbergs wollen wir wieder herstellen oder bewahren? Jenen von 1920, von 1820, von 1620?

Unser Mitglied Rüdiger Becker, Abteilungsleiter für den Natur- und Landschaftsschutz im Umweltamt der Stadtverwaltung, zeigte uns am Naturdenkmal „Handschuhsheimer Steinberg“, dass der Erhalt und die Pflege eines Landschafts- und Kulturdenkmals nur mit großem Einsatz zu bewältigen ist. Hier gelang es in jahrzehntelanger Arbeit mit großem finanziellem und personellen Aufwand, das Gelände vom unerwünschten Aufwuchs zu befreien, Trockenmauern wieder aufzusetzen, geeignete Pflanzen und Tiere wieder anzusiedeln.

Nun pflegen Gymnasiasten des Hector-Seminars das Gelände und gelegentlich liefert der Steinberg wissenschaftliche Daten: 170 Arten von Wildbienen wurden dort festgestellt, zahlreiche Vogelarten und Eidechsen beleben diesen sonnengewärmten Hang.

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Was lernten wir, die wir ebenfalls mit städtischer Hilfe, finanziellem Aufwand durch unsere Mitgliedsbeiträge und Spenden und vor allem mit vielen Arbeitsstunden ein anderes Kleinod der Heidelberger Kultur- und Naturlandschaft, den Wolfsbrunnen, pflegen? Es braucht einen langen Atem, Durchhaltevermögen und Unterstützung durch Förderer und die Stadtverwaltung.

Uns Praktiker interessierte, wie man den unerwünschten Aufwuchs von Pflanzen in den Griff bekam. Eine kleine Herde von Walliser Schwarzhalsziegen, leichtfüßig, robust und gefräßig, schreckten auch vor Brombeeren nicht zurück und bewährten sich für eine lange Zeit. Aber sie überwanden aber auch immer wieder Zäune und Gehege, denn „Nachbars Kirschen sind süßer“ als die eigenen. Da mussten wir schmunzeln, denn auch uns am Wolfsbrunnen lässt die Wuchskraft von Knöterich und Brombeere nach natürlichen Helfern Ausschau halten.

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Rüdiger Becker
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