Marathon durch die Kirchengeschichte

Der Sonntagmorgen stand ganz im Zeichen des Marathons: während die Zuschauermenge entlang der Hauptstraße die Läufer auf der Zielgeraden zum Uniplatz anfeuerte und beklatschte, folgten wir der Gästeführerin Petra Anuschek-Vogelsang beim Marathon durch die Heidelberger Kirchengeschichte.

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Bis September war im Kurpfälzischen Museum und auf dem Schloss die Jubiläumsausstellung „Macht des Glaubens“ zu sehen. Anlass war der „Heidelberger Katechismus“, der vor 450 Jahren auf Initiative des Kurfürsten Friedrich III herausgegeben und weltweit verbreitet wurde. Das war 1563, in einer Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung.

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Portrait: Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz

Petra Anuschek-Vogelsang gab zunächst einen Überblick über die Kurlinien und Regenten im 16. und 17. Jahrhundert von Ottheinrich, Ludwig VI, Johann Kasimir, Friedrich IV bis Friedrich V, sowie über deren jeweilige Glaubensausrichtung – Luthertum und Calvinismus wechselten in rascher Folge, wurden eingeführt und wieder abgesetzt mit allen Konsequenzen. Nach der Eroberung der Stadt durch Tilly 1622 wurde Heidelberg zwangsweise katholisch.

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Petra Anuschek-Vogelsang zeigt Doppelportrait: Kurfürst Friedrich V von der Pfalz und Elisabeth Stuart

Die Reformation hinterließ ihre Spuren – im Schloss verewigten sich die meisten Kurfürsten durch neue Bauten, die ihren Namen tragen und ihre Gesinnung spiegeln. „Gibt es eigentlich eine protestantische Architektur?“, fragte jemand. Unsere Glaubensexpertin gab ein Beispiel: das „Haus zum Ritter“. Im Giebel des Renaissencegebäudes steht in goldenen Lettern SOLI, DEO, GLORI – Nur Gott allein die Ehre, das Credo des Protestantismus. Aber auch die Fassadenbilder zeugen von einem reichen, selbstbewussten und stolzen Bürgertum, wie das für Protestanten üblich war.

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Haus zum Ritter

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Dreikönigstraße

Auch andere Aspekte der Heidelberger Kirchengeschichte wurden beleuchtet. So machten wir Halt in der Dreikönigstraße, wo im Haus Nr. 25 Thomas Erastus wohnte, ein Schweizer. Er war nicht nur der Leibarzt des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz und gleichzeitig Medizinprofessor an der Universität Heidelberg, er war auch reformierter Theologe, der sich provokativ in das Religionsleben einmischte – rechtzeitig kehrte er nach Basel zurück. Andere Provokateure wurden auf dem Marktplatz im Schatten der Heiliggeistkirche hingerichtet!

dsc_0163-nb495.jpgHeiliggeistkirche

Ein Sonntagmorgen reicht natürlich bei weitem nicht, um die kirchengeschichtlich relevanten Bauten und Plätze in Heidelberg zu besuchen und ihrer Bedeutung gerecht zu werden. Deshalb hoffen wir auf eine Fortsetzung des Marathons mit Petra Anuschek-Vogelsang…

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Wappen der Kurfürsten
neben der katholischen Jesuitenkirche
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