Von Meisterstücken und „Bernhards“

Was wir gewöhnlich sehen, ist das Ergebnis – kunstvolle Steinmetzarbeiten an Kirchen, Palästen und Bürgerhäusern mit ihren Säulen, Figuren und Ornamenten. Was wir nicht sehen, ist die immense Arbeit, die dahinter steckt.

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Werkstatt der Firma Ralph Eschelbach

Mitte November hatten wir Wolfsbrunnenfreunde die großartige Gelegenheit, die Werkstatt von Ralph Eschelbach zu besuchen und den Steinmetzen bei ihrem Handwerk über die Schulter zu schauen. Schon der Empfang in der Werkshalle war überwältigend: mehrere Schauplätze waren ausgeleuchtet und vorbereitet, um uns am Beispiel unterschiedlicher Werkstücke einen Einblick in die vielseitige Arbeit eines Steinmetzes zu geben.

Nach der Begrüßung von Herrn und Frau Eschelbach und ihrem Team sowie einer kurzen Einführung waren wir eingeladen, uns frei in der Halle umzusehen, von einem Schauplatz zum nächsten zu wandern, uns die Arbeiten erklären zu lassen und Fragen, viele Fragen zu stellen.

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Die Meister R. Eschelbach und M. Dursy (2.u.4.v.l.) bei einer Demontsration

Der Steinmetz und Steinbildhauer Michael Dursy, der vor 2 Jahren beim Freundeskreis Wolfsbrunnen im Bürgerhaus Schlierbach einen höchst interessanten Vortrag über seine Zunft hielt, machte damals schon neugierig auf mehr… Auf unseren Wunsch nach Praxisnähe organisierte er diesen Werkstattbesuch bei seinem Kollegen Ralph Eschelbach, Steinmetz und Denkmalpfleger in Plankstadt. Sein Betrieb plant und realisiert viele Resraurierungsvorhaben in Mannheim, Heidelberg und Umgebung.

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Ralph Eschelbach (1.v.r.) bei einer Demontsration

Ralph Eschelbach erläuterte die komplexen Zusammenhänge in der Denkmalpflege, die Arbeitsschritte und technischen Verfahren. Auch Berufskrankheiten kamen zur Sprache - nicht zu unterschätzen sind die Gefährdung durch quarzhaltige Feinstäube oder die Belastung der Hände und Knochen.

Michael Müller, Meister im Betrieb Eschelbach, arbeitete gerade am Abguss eines Jugenstilkopfes und erklärte uns den Vorgang.

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Michael Müller bei einer Demonstration

Darüber hinaus erfuhren wir noch viel über das Steinmetzhandwerk. Heute bedient es sich der modernen, zeitgemäßen Mittel und Maschinen, greift aber nach wie vor zum traditionellen Handwerkszeug. Auch historische Verfahren werden noch angewandt, z.B. die Klangprobe: bevor Steinmetze ein Werkstück bearbeiten, prüfen sie mit der Klangprobe, ob er für die Bearbeitung geeignet ist – diese Methode ist Jahrhunderte alt und bewährt!

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Mitarbeiter bei einer Demonstration

Die Steinmetze sind stolz auf ihre Zunft und pflegen die Tradition, z.B. ziehen immer noch junge Steinmetze als Wanderburschen durch die Welt (im Gegensatz zu den Zimmerleuten tragen sie helle Kordhosen!). Ein anderes Beispiel der Traditionspflege, das uns sehr amüsierte, ist die Beerdigung eines “Bernhards”: seit dem Mittelalter nennen Steinmetze einen Werkstein, der beim Bearbeiten missglückt, einen „Bernhard“ und tragen ihn in einer Prozession zu Grabe!

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Mitarbeiter bei einer Demonstration

Einen “Bernhard”, ein missglücktes Werkstück, haben wir bei Ralph Eschelbach nicht zu Gesicht bekommen. Im Gegenteil. Zum Abschluss lud er uns in den Schauraum ein, zeigte uns Meisterstücke und viele andere Kostproben des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks.

Dieser Abend hat uns tief beeindruckt. Beim nächsten Blick auf Kirchen, Paläste und Bürgerhäuser, werden wir in den Steinmetzarbeiten mehr erkennen…

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