Schlierbach im Fokus der Denkmalpflege

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Aus “Kulturdenkmale in Baden-Württemberg”: “Eine Forstkarte von 1812 zeigt die Siedlungsansätze bei der Einmündung des Schlierbachs (mit dem oberhalb gelegenen Wolfsbrunnen) und des Rombachs.”
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Der Referent unseres ersten Vortrags in diesem Jahr, Dr. Christian Ottersbach, dokumentierte im Auftrag der Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg über viele Monate die Kulturdenkmale Schlierbachs. Diese sind in der 2013 erschienenen gewichtigen und zweibändigen Veröffentlichung „Kulturdenkmale in Baden-Württemberg: Stadtkreis Heidelberg aufgezählt und beschrieben. Der Kunsthistoriker, der z.Zt. ein Gutachten für die Stadt Schwerin für den Antrag auf Anerkennung als Weltkulturerbe erstellt, erwies sich als hervorragender Kenner unseres Stadtteils.

Nach einem geografischen und historischen Überblick konzentrierte sich Dr. Ottersbach auf die Zeit nach der Jahrhundertwende, als sich wohlhabende Industrielle aus Ludwigshafen und Mannheim, aber auch Künstler und Professoren Villen und Landhäuser entlang des Schloss-Wolfsbrunnenwegs erbauen ließen.

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Aus “Kulturdenkmale in Baden-Württemberg”: “Einschnitt des Schlierbachtals mit dem historischen Stadtkern. Luftbild 2010.”
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An gut ausgewählten Fotos zeigte und erläuterte Ottersbach, wie Bauherren und Architekten in den 1920er Jahren unterschiedlichste Baustile und Zeitalter - ihrem persönlichen Geschmack folgend - späthistoristisch verwirklichten.
Die Schauspielerin Tilly Dellon-Mantei wünschte sich z.B. in einem spätgotischen burgartigen Haus mit Zinnen, Altan und Zugbrücke (Schloss-Wolfsbrunnenweg 34) zu wohnen.

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Schloss-Wolfsbrunnenweg 34
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Sehr beliebt war im nun weit verbreiteten Landhausstil das „Schweizerhaus“, das gut zu dem „Leben außerhalb der Stadt“ passte.

Wer es sich leisten konnte, orientierte sich am barocken Stil des Adels mit dreiflügeligen Bauten um einen „Ehrenhof“, formalen Terrassengärten und großzügigen Landschaftsgärten. Die Villa Bosch ist ein Beispiel, wie Formen und Elemente französischer Schlosskultur - in etwas nüchterner Ausführung - übernommen wurden.

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Villa Bosch, Schloss-Wolfsbrunnenweg 33
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Die Villa Reiner - mit bürgerlichem Wappen an der Außenwand - lässt sich stilistisch bis auf das 16. Jahrhundert (Villa Emo im Veneto von Andrea Palladio) zurückführen.

Dass um 1900 die „Heimatschutzarchitektur“ im Reformstil bedeutende Villen in Schlierbach entstehen ließ, zeigen die Anwesen Hausackerweg 6, Am Rosenbusch 12 oder Am Schlierbachhang 39.

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Am Rosenbusch 12
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Für die Architekturgeschichte überaus bedeutungsvoll ist das 1924 als Sommerhaus für einen Direktor der BASF erbaute Holzfertigteilhaus Jettaweg 8. 1924 in nur acht Wochen (!) erstellt, ist es eines der besterhaltenen Beispiele für eine typologisch eindeutige, moderne und landschaftlich angemessene Bauform. „Ach, würden die heutigen Architekten und Bauherren doch auch so schnell, so preisgünstig und so schön bauen!“ seufzte ein Besucher.

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Jettaweg 8
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Der Referent wies auf bedeutende kleine Bauten hin, die leicht übersehen werden: Die ehemaligen Bahnwärterhäuschen (Am Grünen Haag 22, Wolfsbrunnensteige 2), die Umspannstation am Hausackerweg-Schloss-Wolfsbrunnenweg, Hauseingänge und Wegkreuze sind bedeutende Werke. Dass auf dem Gelände des Anwesens Rombachweg 11 vielleicht die älteste Garage Heidelbergs (1909) noch immer in ihrer alten Form besteht, wussten wohl wenige Besucher.

In der Aussprache nach dem Vortrag kam es zu einer intensiven Diskussion über das im 17. Jahrhundert zerstörte „Forellenhaus“, dessen Reste sich vielleicht unter dem Anwesen Schlierbacher Landstraße 136 befinden könnten.

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