Die Schattenseite des Sonnenkults

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„Der von dem gewaltigen Bergkessel des Königsstuhles tief beschattete Wolfsbrunnen“*) war Ausgangspunkt des Vortrags von Prof. Dr. Volker Voigtländer über das Wohl und Wehe von Sonnenlicht.

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Die Zahl der Hautkrebs-Erkrankungen ist alarmierend und steigt seit Jahren. Das Schönheitsideal einer vornehmer Blässe ist längst passé – gebräunte Haut ist attraktiv! Signalisiert sie doch mediterranes Leben, spiegelt den gesellschaftlichen Wandel hin zur Freizeit- und Tourismusgesellschaft. Die Wirtschaft nutzt den Trend in allen Bereichen. Der Immobilienmarkt wirbt mit „Wohnen in sonniger Lage“ – sogar Schlierbach mit dem Wolfsbrunnen (eindeutig im Schatten gelegen) wird als Sonnenterrasse angepriesen! Bizarr ist auch ein kleines Objekt, der „Po-Spreizer“, mit dessen Hilfe die Sonnenanbeter jeden noch so versteckten Quadratzentimeter Haut bräunen können! Der Sonnenkult kennt keine Grenzen…

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…und das hat Folgen, wie Hautarzt Volker Voigtländer in eindringlichen Bildern demonstrierte. Er erklärte die Entstehung von Sonnenbrand und Hautkrebs, sprach über Prophylaxe und Therapie und überraschte sein Publikum damit, dass ein Exkurs in die Kunstgeschichte auch in dermatologischer Sicht aufschlussreich sein kann: auf dem Gemälde „Graf St. Genois d’Anneaucourt von Christian Schad (1927) sieht man auf einem tiefen Rückendekolleté einen verräterischen dunklen Fleck mit rotem Hof – kein harmloses Schönheitsmal, sondern ein Melanom.

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Sichtbare Folgen von Licht- und Sonneneinwirkung zeigten auch andere Bildbeispiele: ein Aufseher, der in Ausübung seines Berufes ein Leben lang am Fenster saß und unterschiedlichen Lichtverhältnissen aussetzt war, hat eine asymmetrische „Altershaut“ (rechte Gesichtshälfte) und „Lichthaut“ (linke Gesichtshälfte) entwickelt.

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Doch nicht nur die negativen, auch die positiven Einflüsse von Licht und Sonne wurden vorgetragen – sie bedeuten Leben und werden zum Beispiel als Therapie bei Schuppenflechte, Neurodermitis, Warzen, Rachitis, Tuberkulose und Winterdepression eingesetzt. Es gilt, zwischen Licht und Schatten das rechte Maß zu finden, um die Gesundheit und Funktionstüchtigkeit unserer Haut ein Leben lang zu erhalten.

Mit viel Beifall und einem Geschenk bedankte sich der Freundeskreis Wolfsbrunnen bei seinem Mitglied Volker Voigtländer für diesen erkenntnisreichen und unterhaltsamen Vortrag.

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Volker Voigtländer und Kathrin Rating vor dem „tief beschatteten Wolfsbrunnen“

*) Franz Vogelsang: Der Wolfsbrunnen bei Heidelberg. Ein Hort der Romantik im Spiegel seiner 400-jährigen Geschichte. 1965.

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