Sommer auf den schattenlosen Ausgleichsflächen der Bahnstadt - Exkursion bei 35°C

Bei einer von Dipl. Biol. Rüdiger Becker (Abteilungsleiter Natur- und Landschaftsschutz im Umweltamt) geleiteten Exkursion zu den Ausgleichsflächen des neuen Stadtteils „Bahnstadt“ konnten die Teilnehmer viel über das Prinzip „Eingriff + Ausgleich“ erfahren.

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Ausgleichsmaßnahmen sind gesetzlich gefordert, wenn Eingriffe in Natur und Landschaft erfolgen, die unvermeidbar sind (§ 14 Landesnaturschutzgesetz BaWü und § 15 Bundesnaturschutzgesetz). Jeder Verursacher eines Eingriffes in Natur und Landschaft ist jedoch verpflichtet, Eingriffe zu minimieren und unvermeidbare Eingriffe im gleichen Naturraum auszugleichen. Weiterhin sind Ausgleichsmaßnahmen notwendig, wenn besonders und/oder streng geschützte Arten von einem Vorhaben betroffen sind (§ 44 (5) Bundesnaturschutzgesetz). Die Entwicklung der Bahnstadt ist ein solches Vorhaben und daher wurden vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen in unmittelbarem Umfeld notwendig, um die ökologische Funktion der Lebensräume für die betroffenen Arten zu sichern.

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Die Fläche der Bahnstadt beträgt in der Summe 116 ha. Vor Beginn der Baumaßnahmen war dieses Gelände über Jahre hin aufgelassen, worüber sich Flora und Fauna freuten und sich ein artenreicher Lebensraum mit Ruderalvegetation entwickelte. Ein Großteil des Areals war durch die Nutzung als Bahn- und Güterumschlaggelände geprägt, durch verdichteten Oberboden, Schotterflächen, Steinhaufen, Holzablagerungen, wenige Großbäume mit entsprechend wenig Verschattung und trocken-warmen Verhältnissen. Ideal zum Beispiel für Eidechsen.

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Vor Baubeginn mussten Flora und Fauna kartiert und bewertet werden. Es wurden die unterschiedlichen Biotoptypen erfasst und das Vorkommen von Vögeln, Fledermäusen, Heuschrecken und Eidechsen erhoben. Auf der Basis der Ergebnisse wurden im Rahmen eines Gestaltungs- und Pflegekonzepts die vorgesehenen Ausgleichsflächen innerhalb der Bahnstadt sowie außerhalb auf ehemaligen, mittlerweile stillgelegten Bahntrassen geplant.

Vor der Umsetzung dieses Konzepts musste das Regierungspräsidium Karlsruhe das Vorhaben artenschutzrechtlich genehmigen. Die Voruntersuchungen dauerten ca. 2 Jahre.

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Erst dann konnte die praktische Arbeit beginnen. Für die Eidechsen hieß dies beispielsweise, dass ca. 3500 Exemplare eingefangen und umgesiedelt wurden – sie wurden trickreich mittels einer Schlinge „geangelt“. Leider konnten wir an diesem Tag keine einzige Eidechse entdecken – es war zu heiß, die Tiere hatten sich in ihre schattigen, kühlen Löcher der Steinhaufen verkrochen.

Die Speyerer Straße ist eine Barriere, die den Eidechsen-Rettern große Probleme bereitete, denn die alten Schienenanlagen werden durch die Straße getrennt und setzten sich auf der jeweils anderen Seite fort. Um die Durchgängigkeit und Vernetzung der Eidechsenlebensräume zu gewährleisten, wurde eine eigene „Eidechsen-Spur“ für diese Tiere neben der Fuß- und Radweg-Spur gebaut, mit dem Ergebnis, dass nun diese Brücke auch „Eidechsenbrücke“ genannt wird.

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Insgesamt sind 12ha Ausgleichsfläche geschaffen worden, die ihren ganz eigenen Charakter hat und sich lohnt, bestaunt zu werden. Machen Sie sich auf den Weg und grüßen Sie die Eidechsen vom Freundeskreis Wolfsbrunnen.

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