Unsere Natur im Wandel

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Der WolfsbrunnenAbend am 1. Oktober war ein ganz besonderer: zum ersten Mal fand er im „Museumszimmer“ des Restaurants Wolfsbrunnen statt – eine Premiere! In diesem neuen Rahmen präsentierte Hans-Martin Gäng seinen Vortrag über den Wandel unserer heimischen Natur.

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Ständig begegnen uns Tiere und Pflanzen, die es ursprünglich hier nicht gab. Dagegen sieht man manche nur noch selten oder gar nicht mehr. Wann haben Sie zum letzten Mal einen Auerhahn oder Hirschkäfer gesehen? Oder Walderdbeeren gegessen? Dafür sehen wir jetzt Gärten voller Exoten, falls uns ein Sichtschutz aus Bambusgeflecht oder Thuja-Hecken nicht daran hindert – ebenfalls zwei Exoten. Sie stammen aus Ostasien.

Die Natur wandelt sich. Das tat sie schon immer. Gründe dafür gibt es viele. Drastische Klimaveränderungen, wie die frühe Eiszeit oder die jetzige Erderwärmung, hatten und haben entscheidenden Einfluss auf die Evolution. Unter entsprechenden Wachstumsbedingungen können sich neue Arten von Pflanzen und Tieren (Neophyten und Neozoen) ausbreiten, vermehren und unsere heimischen verdrängen – man schätzt, dass 18% der europäischen Pflanzen Neophyten sind! Zu diesem Wandel der Natur trägt auch der Mensch entscheidend bei.

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Seefahrer, Forscher und andere Abenteurer bereisten die Welt in eigener oder fremder Mission und brachten neue Flora und Fauna nach Europa – zur großen Freude des Hochadels, der seine Schlösser und Gärten mit Exoten füllte. Für die klimatische Anpassung sorgten Gewächshäuser und Orangerien. Ein neuer Bautyp war kreiert. Ebenso feierten neue Motive ihren Einzug in die Welt von Kunst und Handwerk.

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Wenn es früher natürliche Hindernisse für eine weltweite Arten-Wanderung gab, wie Ozeane und Gebirge, so wurden diese im Laufe Zeit überwunden. Handel und Tourismus erobern inzwischen die letzten Winkel der Welt und begünstigen den Transfer exotischer Arten. Während Pomeranzen und Tulpen willkommene „Neubürger“ sind, entwickeln sich Knöterich, Wasserhyazinthe und Springkraut zur Plage. Auch auf Halsbandsittiche und Nilgänse könnte man gut verzichten, und erst recht auf amerikanische Grauhörnchen, die unsere Eichhörnchen vertreiben, so wie auf Tigermoskitos, die tödliche Krankheiten übertragen.

Doch sind die Europäer nicht nur Opfer, sondern auch Täter: als im 18. Jahrhundert die Engländer zu ihrem Jagdvergnügen Kaninchen nach Australien brachten, hatte dies ungeahnte Folgen und gipfelte im sogenannten „Kaninchenkrieg“.

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Täter sind wir auch im eigenen Land: Wirtschaftsinteressen, Monokulturen, Zerstückelung der Landschaft durch Verkehrsnetze und Bauvorhaben vertreiben viele Tiere oder rotten sie aus. Als die SAP-Arena geplant wurde, hat man ein Umsiedlungsprojekt für den Feldhamster gestartet. Auch er ist vom Aussterben bedroht.

Anhand zahlreicher Beispiele schilderte Hans-Martin Gäng das Kommen und Gehen von Pflanzen und Tieren und verwies auch auf solche, die in unsere Heimat zurückgekehrt sind: Wisent und Biber, Luchs und Wolf – und zu guter Letzt: der Wanderfalke, ein Verdienst von Hans-Martin Gäng.

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