Ginkgo-Vortrag im Freundeskreis am 18.10.2016

Es war ein munterer Abend mit den Freunden des Wolfsbrunnens und einigen Gästen, der eine kleine Stunde der „Der Kulturgeschichte des Ginkgo“ gewidmet war. Hinterher folgte eine anregende Diskussion, und dann saß man auch so noch ein bisschen zusammen in der Alten Gaststube, die an diesem Abend ganz dem Freundeskreis zur Verfügung stand, denn Dienstags ist bekanntlich das Restaurant geschlossen. Der Wirt, Herr Zeller, natürlich auch Mitglied des Freundeskreises, liess die etwa 30 Anwesenden aber nicht auf dem Trockenen sitzen.

Das Freundeskreismitglied Dr. H. Schweinfurth erzählte zunächst etwas über die Botanik des Ginkgo: Wuchsform, Blätter natürlich, Borke, Blüten und Früchte - alles Dinge die erläutern, warum der Ginkgo als „lebendes Fossil“ betrachtet wird. Als einziges der Familie der Gingoales hat er es aus der Frühzeit der Erde in die Neuzeit geschafft, nicht zuletzt auch deshalb, weil er so widerstandsfähig ist. Heute wird der Ginkgo mehr und mehr auch als Allee- und Straßenbaum angepflanzt, weil er die Luftverschmutzung nicht übel nimmt. Ähnlich übrigens wie der Tulpenbaum, der Liriodendron, der Einiges mit dem Tulpenbaum gemeinsam hat.

Die Geschichte der Entdeckung des Baumes für Europa durch Engelbert Kaempfer wurde ebenso erwähnt wie die Orte, an denen im 18. Jahrhundert die ersten Ginkgos in Deutschland gepflanzt wurden. Und natürlich ging es um die Frage, wo Johann Wolfgang von Goethe den Ginkgo zum ersten, vielleicht auch zum wiederholten, Mal wahrgenommen hat, und wie es zu dem berühmten Liebesgedicht für Suleika - oder Marianne von Willemer - um das zweigeteilte Blatt gekommen ist. Die Goethebank im Heidelberger Schlosspark wurde in Erinnerung gerufen, und außer dem Ginkgogedicht logischerweise das Kastaniengedicht aus dem Westöstlichen Diwan vorgelesen. Das Ginkgoblatt in der chinesischen und japanischen Kunst wurde ebenso erwähnt wie seine Verwendung im Jugendstil, z.B. in Nancy. Auch schmunzelten alle über die Tatsache, dass Beuys auf seinem in Holz geschnitzten Ginkgoblatt die Rechtschreibung durcheinander brachte.

Zum Schluss noch: die pharmakologische Bedeutung der Blätter und der Früchte und die Aufforderung, einen oder mehrere Ginkgobäume zu pflanzen: im Garten zuhause und vielleicht auch im Wolfsbrunnengelände. Der „Grossvater- Enkel- Baum“, wie er auch heisst, sollte, wenn möglich, weil er doch so langsam wächst, schon ein gewisses Alter haben, damit nicht erst unsere (Ur-) Enkel endlich den erwachsenen Baum bewundern können.