Maria Sibylla Merian

Vortrag von Heidi Schweinfurth am 11.4.2018

Ein Abend im Wolfsbrunnen zum Geschehen um eine außergewöhnliche Frau, geboren im letzten Jahr des 30 jährigen Krieges, gestorben 1717: Die Frankfurterin mit Wurzeln im calvinistischen Basel erhielt ihre klassische Ausbildung als Künstlerin und Kupferstecherin durch ihren Stiefvater J. Marell. Sie zog nach ihrer Heirat mit dem “Mitgesellen” J. Graf nach Nürnberg und erarbeitete sich dort eine grosse Reputation und Beliebtheit durch ihre Neuen Blumenbücher, drei an der Zahl, die den Damen der besseren Gesellschaft als Vorlage zum Zeichnen, Malen und Sticken dienten, und mit denen sie ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie mit mittlerweile zwei Töchtern bestritt. Daneben führte sie die ersten wissenschaftlichen Studien zur Insektenkunde durch und veröffentlichte das sensationell moderne “Raupenbuch”.

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Mit dem Verlassen Nürnbergs und ihres Ehemannes, unter Mitnahme der Mutter, der Töchter und der Raupen begann ein neuer Lebensabschnitt in der in urchristlicher Gemeinschaft lebenden “Commune” der Labardisten in Schloss Warta in Westfriesland. Nach dem Tod ihrer Mutter verließ sie Westfriesland, siedelte sich in Amsterdam an und bereitete eine Expedition nach dem damals holländischen Surinam vor. Sie finanzierte diese Expedition, auf der sie von ihrer Tochter Dorothea begleitet wurde, aus eigenen Mitteln. Nach kurzer Zeit wurde sie schwer krank, sammelte aber vor ihrer Rückkehr 1702 nach Amsterdam so viel Material über die tropischen Gastpflanzen der einheimischen Insekten, dass sie zuhause in Amsterdam ihr Werk über die Metamorphose der Insekten Surinams zu Papier brachte, das endgültig ihren Ruhm als Wissenschaftlerin besiegelte. Sie war die erste ökologisch denkende Botanikerin und Insektenforscherin und wurde weltberühmt und geachtet, vor allem auch durch die Kombination minutiöser Zeichnung der Natur  mit großer künstlerischer Gestaltung.

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Heidi Schweinfurth versuchte in den vorgesehenen 90 Minuten viele Einzelheiten dieses interessanten Lebens vor den Zuhörern in der Gaststube auszubreiten. Sie hatte dazu zahlreiche Illustrationen zu den Lebensorten Maria Sibylla Merians und ihrer Familie zusammengetragen und konnte vor allem zahlreiche Werke dieser Frau vorstellen - allem voran die gerade in Europa angekommenen Zwiebelpflanzen aus dem osmanischen Reich, die es damals nur in einigen botanischen Gärten, auf holländischen Stillleben und in ihren Büchern zu bestaunen gab. Heute sind sie selbstverständlicher Teil des Frühlings, wie er sich in Heidelberg u.a. gerade mit Tulpen-, Hyazinthen-, Königskerzen-  und Narzissen-Beeten zeigt.

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