Gartendenkmalpflege im Gespräch

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Nach der gelungenen Hand-Arbeit am ersten Werkstatt-Tag im Wolfsbrunnengelände folgte ein interessiertes Publikum der Einladung zur Kopf-Arbeit, folgte neugierig den gestreuten Efeublättern durchs Bürgerhaus zum Vortragsraum und stellte sich dort dem Thema „Verschönerung? Gartendenkmalpflege im Gespräch“.

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In einem einleitenden Referat skizzierte Kathrin Rating die Begriffe des Schönen, des Naturschönen versus Kunstschönen, der Ästhetik als Wissenschaft sowie den Begriff der Planung und Gestaltung als wertende Disziplinen, womit die Subjektivität auf die Bühne tritt und mit ihr der Satz: „Des find isch abber goa net schäää!“.

Ideen und Vorstellungen zur „Verschönerung“ und Umgestaltung der Wolfsbrunnen-Anlage gibt es viele, meist jedoch ohne die gesetzlichen Vorgaben. Dazu gehören sicherlich an erster Stelle das Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg und das Naturschutzgesetz; letzteres nennt in §1(1),4. neben den Begriffen der Vielfalt und Eigenart auch ausdrücklich den Begriff der Schönheit der Landschaft, die gesichert werden soll.

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Der Wolfsbrunnen ist ein Kulturdenkmal, an dessen Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht (§2 (1) DSchG). Der Umsetzung individueller Geschmäcklerei sind damit eindeutige Grenzen gesetzt. Veränderungen und Eingriffe zur Verschönerung - und darum ging es in dieser Runde - müssen dem Kulturdenkmal gerecht werden. Die große Frage ist aber nun: wie kann der Wolfsbrunnen als Kulturgut erhalten, gepflegt und entwickelt werden?

In der Gartendenkmalpflege hat sich das Parkpflegewerk als Grundlage aller Maßnahmen mittlerweile in Deutschland bewährt. Es sieht nach ausführlichen Bestands- und Analyseteilen ein klar gegliedertes und abgeleitetes Leitkonzept vor, zu dessen Realisierung die einzelnen Schritte konkret benannt werden müssen. Somit sind willkürlichen Umgestaltungsmaßnahmen Schranken gesetzt.

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Am Beispiel der Wolfsbrunnen-Anlage und des Hortus palatinus wurde anhand von Planmaterial aus den einzelnen historischen Epochen das Problem des Findungsprozesses eines Leitkonzeptes verdeutlicht. Soll der Teich vor der Wolfsbrunnen-Gaststätte wieder in den Zustand um 1620 mit Forellenbassins zurückversetzt werden? Oder ist es nicht besser, einen natürlich gestalteten Teich zu bauen, wie es auf den Abbildungen um 1870 aussieht? Oder soll man nicht einfach nur die Teichfolie erneuern?

Gartendenkmalpflege ist nicht einfach, ist aber erkenntnisreich und wir sind auf dem besten Weg. Es geht weiter und mit dabei immer das frohe Schaffen.

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