Wo laufen sie denn hin?

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Loriot suchte in einem TV-Sketch mit dem Fernglas nach Rennpferden. Wie oft hatten sich die Aktiven des Freundeskreises Wolfsbrunnen die gleiche Frage gestellt, wenn sie über die Wasserläufe der Quellen am Wolfsbrunnen nachdachten. Es ist eine zweistellige Zahl von Quellen, Zuleitungen, Fassungen, Sammlern, ober- und unterirdischen Kanälen bekannt; viele Rohre kreuzen sogar ältere Wasserführungen.

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Als bei der 7. Werkstatt am 14. Februar eine dicke Schneeschicht unsere gemeinsam mit dem Landschaftsamt geplanten Pflegearbeiten im Gelände verhinderte, konnten wir endlich einmal dem Lauf einiger Quellen nachspüren. Herr Jobst Gottschalk von den Stadtwerken ergänzte mit Lageplänen und seinem großen Wissen über die Quellfassungen unsere bereits vorhandenen Kenntnisse und Herr Rüdiger Becker vom Umweltamt besorgte umweltverträglichen Farbstoff zum Einfärben der Quellströme.

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Beim Farbexperiment: Hans-Martin Gäng, Leander & Rüdiger Becker
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Der Hauptsammler hinter der Buntsandsteinmauer, welche den Quellengarten am Rundweg um den Teich begrenzt, fasst das Wasser aus der weit entfernten Wolfsbrunnen-Hangquelle, der ebenfalls weit entfernten Felsenmeerquelle, der Rostquelle, der Gartenquelle, der oberen und unteren Waldquelle mit jeweils kleineren Zuläufen. Dieses Wasser läuft durch ein Rohr unter (!) dem Teich hindurch durch das Tal in den Neckar ohne an das Tageslicht zu kommen.

Ein kleiner Teil des Wasserflusses wird unterhalb des Rundwegs am vorgetäuschten Einlaufbauwerk des Folienteichs kurz sichtbar. Diese Wasser kommt unterhalb des Teiches aus einem Seitenkanal in den Bachlauf zurück. Dies konnten wir durch die Eingabe des roten Farbstoffs in das Wasser, das sich für kurze Zeit hellgrün verfärbte, nachweisen.

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Auf Beobachtungsposten: Gerhard Kaiser, Kathrin Rating…

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…und andere Wolfsbrunnenfreunde
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Das Wasser, das im oberen Teil des Teichs, der ja als künstlicher Folienteich 1980/81 „erbaut“ wurde, an zwei Stellen gut sichtbar aus dem Sandboden empor sprudelt und den Teich füllt, stammt wohl aus einer unterirdischen Zuleitung der Lange-Stollenquelle aus dem östlichen Talhang.

Wir versuchten, den Wasserlauf der Küchenquelle und der Kellerquelle nahe dem Gasthaus zu erkunden: Durch ein Sauerstoff-Messgerät geschützt, konnten wir in einige Schächte einsteigen und staunten, als wir unten im Schacht mit Handlampen weit in sorgfältig gemauerte Gänge spähen konnten. Einige waren so eng, dass eigentlich nur Kinder diese Steine einmal in der Tiefe gesetzt haben könnten, rätselten wir. Wir hörten Rauschen und
Gluckern, das wir nicht orten konnten.

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“Abgetaucht”: Kathrin Rating

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Es bleiben viele Fragen offen. „Ach, wäre das schön, wenn wir das Wissen der Schlierbacher Heimatforscher, Rutengänger aus der Altstadt, der Fachleute der Stadtwerke und die Aussagen der Lagepläne erfassen und zusammen führen könnten!“, meinte ein Teilnehmer.

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Im Gespräch: Wolfsbrunnenfreunde und Oskar Harbich, geo-biologischer Berater und Wünschelrutengänger (h. Mitte)
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Wir staunten, wie umfänglich und sorgfältig unsere Vorfahren in vielen Jahrhunderten die Quellen und Wasserläufe in den Berghängen um den Wolfsbrunnen unterirdisch fassten um diese für ihre Mühlen und Wasserversorgung zu nutzen.

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Eine große Forschungsaufgabe für Geologen, Hydrologen, Historiker und Archäologen wartet im Boden des Wolfsbrunnengeländes!

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