Leserbriefe

Leserbriefe zum Thema “Zukunft des Wolfsbrunnens”, die im Februar und März 2009 in der RNZ veröffentlich wurden:

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MUSS STÄDTISCH BLEIBEN

Die Nachricht von der Veräußerung des Wolfsrunnen-Gebäudes auf der Basis eines Erbpachtvertrags und der Rückzug der Stadt aus der Übernahme der Sanierungskosten erzeugen Entsetzen und Unverständnis. Wissen die Entscheidungsträger nicht, welches Kleinod sie mit dem Wolfsrunnen haben? Dass dieses Haus aufs Engste mit dem Schloss, seinen ehemaligen Bewohnern und Besuchern verbunden ist und alle, wirklich alle, die mit Heidelberg das Flair des Besonderen verbanden, dorthin pilgerten, um den Reiz dieses Tales und die Romantik des Ortes zu genießen? Die Stadt kann sich nicht aus der Verantwortung für dieses historische Gebäude schleichen. Das Haus muss in der Verantwortung der Stadt bleiben.

Prof. Annette Kämmerer, Heidelberg
RNZ, 13. Februar 2009

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EINE BÜTT DAZU

Hier exklusiv schon jetzt: ein kurzer Ausschnitt aus einer Büttenrede, die vielleicht zur bevorstehenden „Närrischen Gemeinderatssitzung“ passen könnte:

Kultur, Geschichte, Tradition?
WIR haben keine Ahnung von.
Der Wolfsbrunnen, dieses alt’ Gerümpel,
wird jetzt verscherbelt. WIR denken simpel!
Bewahren? Pflegen? Selbst investieren?
Das tun WIR nicht! Wir spekulieren.
800 000 waren bereit gestellt -
wir rücken es nicht mehr raus das Geld.
Ihr fragt, warum wir jetzt eisern sparen?
Für Imbissbuden! Demnächst auf dem
neuen Neckarstaden!

Hans-Martin Gäng, Heidelberg
RNZ, 13. Februar 2009

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PLÖTZLICHE KEHRTWENDE

„Heidelberg sei hoch gepriesen/Himmelsgunst hat dich geweiht! Fünf Jahrhunderte bewiesen/deines Geistes Wirksamkeit“, so dichtete man selbstbewusst 1886 zur Fünfhundertjahrfeier der Universität. Gegenwärtig scheint diese „Geistes Wirksamkeit“ aber bei den kommunalen Entscheidungsträgern etwas nachzulassen, denen die Pflege und Verantwortung der historischen (Gast)-Stätte Wolfsbrunnen anvertraut ist. Vor kurzem noch stellte der Gemeinderat einstimmig 800 000 Euro zu Restaurierung und Erhalt in den städtischen Etat. Jetzt erfährt man von der einseitigen Kehrtwende der Stadtverwaltung, dieses Geld nicht mehr einzubringen, sondern sich in einem Angebot einer Erbpacht der öffentlichen Verantwortung zu entledigen. Der interessierten Öffentlichkeit bleibt bislang verborgen, wann und wie die Gemeinderäte darüber entschieden hätten, dass die Stadt nun doch kein öffentliches Interesse mehr an jener Lokalität hat, die nach dem Schloss am häufigsten in Literatur, bildender Kunst und persönlichen Zeugnissen europäischer Geistesgrößen gerühmt wird. Kurfürsten, Großherzöge, Dichter und Denker, Maler und Musiker, mit Kronen und Lorbeer gekrönte Häupter aus aller Welt haben diesen Ort geschaffen, gehegt und gepflegt und ihm seine heutige Bedeutung gegeben.

Dr. Markus Kiesel, Heidelberg
RNZ, 10. März 2009

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HALLENBAD LÄSST GRÜßEN

„Alt Heidelberg , du Feine“: Seit 400 Jahren hegen und pflegen die Eigner des Wolfsbrunnens dieses Kleinod, ob Kurfürsten, Großherzöge oder Stadtväter. Sie wussten um seine Bedeutung für die Bürger und Besucher der Neckarstadt. Dass es einen „Mythos Heidelberg“ gibt, hat viel mit dem Wolfsrunnen zu tun. Vor wenigen Monaten schien es, als würde auch heute die Stadtverwaltung alles daran setzen, um das Gasthaus zum Wolfsbrunnen für die Öffentlichkeit zu retten: Einstimmig (!) stellte der Gemeinderat 800 000 Euro für die längst überfällige Renovierung bereit. Dieses Geld steht nun nicht mehr zur Verfügung, da die Stadtverwaltung eine Kehrtwendung vollzogen hat und den Wolfsbrunnen im Angebot einer Erbpacht aus ihrer Verantwortung frei gibt!
Die Kostenübernahme für modernen Brandschutz, barrierenfreien Zugang, Renovierung, Ausbau, Haustechnik usw. wird nun dem privaten Kaufinteressenten überlassen. Die Stadtverwaltung, die ablehnt, selbst Verantwortung für die Zukunft des Gasthauses , zu übernehmen, ja nicht einmal die Stadträte zu Abstimmung über diese folgenschwere Entscheidung befragt, wird als Baubehörde und Denkmalschutzbehörde dann gewiss ein strenges Auge auf den privaten Erwerber haben, damit auch alle Maßnahmen getroffen werden, bei denen sie selbst soeben gekniffen hat. Das Alte Hallenbad lässt grüßen. „Neu Heidelberg, keine andre kommt dir gleich“, wenn es um grobe Vergesslichkeit von Stadtgeschichte und Stadtkultur geht.

Dr. Hinrich Bents, Heidelberg
RNZ, 10. März 2009

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E N D E