“Feuerteufel” & Co

:: VORSPANN ::

dsc_0186-495.jpg
(Stummfilmszene aus einer “Glashaus”-Produkton, Drehort: Heidelberg-West)

Beim Stichwort deutscher Stummfilm denkt man zuerst an expressionistische Meisterwerke wie Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“, Robert Wienes “Das Cabinet des Dr. Caligari” oder Paul Wegeners “Der Golem, wie er in die Welt kam” – und an die namhaften Berliner Filmstudios. Doch in den 20er Jahren wurde auch am Neckar Filmgeschichte geschrieben. Fast hätte man das vergessen, wäre nicht Alexander Kluge gewesen, der 1980 auf der Baden-Württembergischen Filmwoche eine Heidelberger Produktion vorstellte und dieses Kapitel deutscher Filmindustrie wieder in Erinnerung brachte.

:: SCHNITT ::

dsc_0177-495.jpg
(Gerhard Kaiser)
dsc_0178-495.jpg

Beleuchtet wurde dieses Kapitel jetzt auch bei dem Filmabend am 27. April, einer gemeinsamen Veranstaltung vom Freundeskreis Wolfsbrunnen und dem Stadtteilverein Schlierbach, organisiert von Gerhard Kaiser. Zu sehen gab es den “Feuerteufel“, eine Produktion aus dem „Glashaus“-Filmstudio von 1919/1920 mit Holmes Zimmermann als „Feuerteufel“. Regie führte der Pfälzer Phil Jutzi, der durch „Mutter Krausens Fahrt ins Glück” (1929) und „Berlin – Alexanderplatz“ (1931) bekannt wurde, davor aber jede Menge Unterhaltungsstreifen drehte, wie z.B. die „Bull Arizona“-Serie, die zu den sogenannten Neckar-Western gehört. Auch Grotesken und Detektivfilme waren sehr beliebt und wurden im „Glashaus“ von verschiedenen Produktionsfirmen realisiert – IFI (Internationale Filmindustrie Heidelberg), Chateau-Film Dr. Alfred Basler Ludwigshafen, CB-Film Carl Becker Ludwigshafen.

:: RÜCKBLENDE ::

dsc_0180-495.jpg
(Jo-Hannes Bauer)
dsc_0184-495.jpg

Mit diesen und anderen Details gab der Filmhistoriker Jo-Hannes Bauer eine Einführung in die Geschichte der Heidelberger Filmindustrie, die 1912 im „Glashaus“ an der Schlierbacher Landstraße 13-15 begann und - mit einer Unterbrechung während des Krieges - bis ca. 1920 dauerte. Das Gebäude ähnelte in seiner verglasten Eisenkonstruktion einem Gewächshaus. Maße und Einrichtung waren professionell – Studio, Licht- und Aufnahmetechnik, Filmentwicklung und -schnitt. Alles unter einem Dach! Es war wohl eines der ersten Filmateliers in Deutschland und auch eines der größten, aber nicht der bedeutendsten. Dennoch gingen vom „Glashaus“ wichtige Impulse aus und manch Filmschaffender hat dort seine Karriere begonnen: Wilhelm Dieterle zum Beispiel, Carl Hoffmann und Phil Jutzi.

dsc_0187-495.jpg

:: „ACTION“ ::

Licht aus, Film ab (bzw. DVD)! Das Gangster-Epos in 7 Akten flimmert über die Leinwand und schon galoppiert der „Feuerteufel“ mit seiner Bande auf das Publikum zu und treibt sein Unwesen… dazu dramatische Klavierbegleitung von Markus Tyroller – natürlich live – wie man sich das so wünscht bei einem Stummfilm! Wir erleben eine Verbrechervita in 90 Minuten mit einem überraschenden happy end…

Auf weitere Filmkritik wird verzichtet! Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst – eine echte Filmrarität aus dem „Glashaus am Neckar”!

dsc_0188-495.jpg
(Markus Tyroller)

:: ABSPANN ::

Regie: Phil Jutzi
Darsteller: Carl Schön (Ortsrichter), Ewald Stolzing (Landrichter), Emmi Carl (Ruth, dessen Tochter), Werner Görtz, Carl Becker, Holmes Zimmermann (Ganoven)
Produktion: CB-Film Carl Becker Ludwigshafen

(Co-Produktion: Freundeskreis Wolfsbrunnen und Stadtteilverein Schlierbach)

:: :: :: :: ::

Wenn Sie mehr über das “Glashaus am Neckar” lesen möchten, schauen Sie in die RNZ/Blick in die Stadtteile neckar-western-2009-05-19.pdf!