Der Knöterich - eine (un)endliche Geschichte?

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Jedem fällt es auf, der im Feierabendverkehr die B 37 langsam aus der Stadt in Richtung Schlierbach befährt: Der Knöterich entlang der Bahnlinie und Bundesstraße wurde in diesem Jahr von der Bahn- und Straßenverwaltung schon zum dritten Mal aufwändig gemäht und beseitigt. Auf der Gegenseite am Neckarufer steht er in dichten Beständen zum Teil schon 4 m hoch.

Es handelt sich um eine neue Pflanze in Mitteleuropa, ein Hybrid aus Fallopia japonica und Fallopia sachalinensis, 1983 erstmals von Chrtek und Chrtová beschrieben, inzwischen nennt man diesen unwillkommenen Einwanderer Fallopia x bohemica.

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Unangenehm ist, dass aus dem unterirdischen Rhyzom dichte Bestände aus krautigen Stängeln wachsen, die über ein außergewöhnliches Wachstumspotential verfügen: Aus kleinsten Fragmenten des Rhyzoms, des Sprosses, selbst der Blätter, entstehen neue Kolonien. Wie leicht werden solche Pflanzenreste durch das Bachwasser verdriftet, vom Fahrtwind der Bahn und der Autos entlang der B 37 verbreitet!

Am Schlierbachhang, entlang der Wolfsbrunnensteige, der Unteren Rombach können wir beobachten, wie der böhmische Knöterich sich von Jahr zu Jahr weiter in intakte Bestände anderer Pflanzen ausbreitet. Am Wolfsbrunnen stellen wir besorgt fest, dass wichtige Wirtspflanzen für Insekten bereits verdrängt wurden. Damit sind auch bestimmte Insektenfresser, wie z.B. Libellen, dort schon seltener geworden.

Als der Freundeskreis Wolfsbrunnen e.V. im Frühjahr 2006 mit seinen Pflegearbeiten im Wolfsbrunnengelände begann, war der Knöterichbestand bereits so verbreitet und so hoch gewachsen, dass man vom Weg um den Teich und vom Brunnen des Gasthauses nicht mehr in das Tal schauen konnte! Eine Veränderung des Landschaftsbilds, die an diesem Ort unerträglich ist! Entsprechend haben wir 2006 in ersten Arbeitseinsätzen die schöne Buntsandsteinmauer an der Gasthausterrasse gerettet, in die bereits zahlreiche Knöterichkeimlinge eingedrungen waren und Steine ausgelöst hatten. Seitdem versuchen wir unermüdlich, zumindest die Böschung um den Wolfsbrunnenteich vom Knöterich zu befreien.

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(Foto oben: Böschung teilweise gerodet. Foto unten: vorher - nachher)
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Es ist eine leichte Arbeit, bei der man aber regelmäßig und kontinuierlich Geduld und Hartnäckigkeit zeigen muss: Kaum haben wir den Knöterich entfernt, wächst er wieder nach! Acht mal jährlich mähen und das Mähgut entfernen, empfehlen die Fachleute, erst nach mehrjähriger Nacharbeit stellt sich der Erfolg ein. Nicht vorzustellen, wie es inzwischen um den Wolfsbrunnenteich aussehen würde, hätten wir nicht bereits vor drei Jahren damit begonnen! „Es ist besser ein kleines Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu jammern!“ haben wir in der Juni-Ausgabe 2006 von „SCHLIERBACH aktuell“ zu diesem Thema geschrieben. Wie schön, dass unsere Kerze weiter brennt, nicht wahr?

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