Hofzeremoniell in Rot-Weiß

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Der Blumenschmuck in den Landesfarben Österreichs verriet den hohen Besuch: Selbstverständlich war Kaiserin Elisabeth „Sisi“ von Österreich mit ihrer Tochter Erzherzogin Valerie, damals noch Teenager, mehrfach am Wolfsbrunnen!

Elisabeth hat 1883, 1884 und 1885 mit ihrem Sonderzug Heidelberg besucht und hat mit ihrem bis zu 45-köpfigen Gefolge im Schlosshotel am Wolfsbrunnenweg, später am Molkenkurweg gewohnt. Sie nahm Fechtunterricht in der Haspelgasse beim akademischen Fechtlehrer Friedrich Schulze und unternahm mit solch großen Schritten ausgedehnte Wanderungen, u.a. nach Neckarsteinach oder in das Gorxheimer Tal über Wilhelmsfeld, dass der von der städtischen Obrigkeit zu ihrem Schutz abkommandierte Polizist mit Tschako und Schleppsäbel kaum Schritt halten konnte

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Der Heidelberger Gästeführer Dr. Dietrich Bahls gab beim Junivortragsabend einen interessanten Einblick in die mehrwöchigen Frühjahrsbesuche Elisabeths in Heidelberg. Mit großer Kenntnis der genealogischen Verbindungen der Wiener Habsburger mit den bayrischen Herzögen und Königen und des geographischen und historischen Umfelds schilderte er das Leben Elisabeths, die als 16jährige sportliche und burschikose bayrische Prinzessin ihren Cousin heiratete und sich zeitlebens nicht gegen das erstarrte Hofzeremoniell behaupten konnte.

Ihr Liebreiz, ihre Anmut und Schönheit verzauberten zunächst die Untertanen der k. und k. Donaumonarchie; ihre Weigerung sich den höfischen-diplomatischen Pflichten unterzuordnen, führte sie in vielen Reisen letztlich in Einsamkeit und Depression.

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Im Jettasaal des noch immer verwaisten Gasthauses blieben die Gäste nach einigen Fragen, die Dr. Bahls umfassend beantworten konnte und durch ausgewählte Literaturhinweise ergänzte, noch weitere gesellige Stunden in vertrautem Gespräch.

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Kein Wunder, denn der Freundeskreis hatte den widrigen Umständen zum Trotz eine stilvolle Atmosphäre geschaffen und mit Blumendekoration, Wein und Häppchen für Leib und Seele gesorgt.

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