Die Vita eines Klosters

Weder Schnee noch Eiseskälte konnte die treue Fan-Gemeinde abhalten, den Weg hinauf zur Gaststätte zu gehen, um den letzten WolfsbrunnenAbend in diesem Jahr zu erleben - ging es doch um das attraktive „Gegenüber: Stift Neuburg“, dessen wechselvolle Geschichte in einem Vortrag von der Kunsthistorikerin Claudia Rink (MA) lebendig nachgezeichnet wurde.

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Die spannende Vita des Klosters begann 1130: Als Filialgründung des Klosters Lorsch wurde „Niwenburg“ zunächst als Männerkloster des Benediktinerordens gegründet, 65 Jahre später auf Initiative von Konrad von Staufen in ein Frauenkloster des gleichen Ordens umgewandelt – eine Entscheidung mit Hintergedanken. War es doch üblich, illegale Töchter oder missliebige Gattinnen in die Klöster abzuschieben…

Die Nonnen – zeitweise Zisterzienserinnen, dann wieder Benediktinerinnen – schlossen sich im 16. Jahrhundert der Reformationsbewegung an und verließen das Kloster, das 1562 aufgelöst und dann in ein Damenstift umgewandelt wurde.

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In den folgenden Jahrhunderten gab es immer wieder Ordens- und Besitzerwechsel, bis die Anlage schließlich privatisiert wurde.

Im Jahre 1825 erwarb der Kaiserliche Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser mit seiner Ehefrau Sophie Charlotte du Fay, das Anwesen als Sommersitz. Der Käufer war Schriftsteller und Privatgelehrter, stammte aus Frankfurt und war mit Goethe verwandt. So entstand in der ehemaligen Klosteranlage ein Goetheanum, das viele Besucher anzog – nur nicht Goethe sebst.

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Nach dem Tod des Ehepaares Schlosser erbte die verwandte Familie von Bernus den Besitz, pflegte und mehrte ihn. Wie bedeutend der Ort war, sieht man am „Gästebuch“: Joseph von Eichendorff, Carl Maria von Weber, Clemens Brentano, Johannes Brahms, Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse, Rudolf Steiner, Klaus Mann und viele andere namhafte Persönlichkeiten gaben sich dort ein Stelldichein.

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1926 wurde Neuburg von Alexander von Bernus an die Benediktiner verkauft, also wieder in ein Kloster rückverwandelt, das es bis heute geblieben ist.

Zur Zeit leben 15 Mönche in der Abtei Neuburg, Abt Franziskus Heereman leitet sie. Neben ihren liturgischen und seelsorgerischen Aufgaben arbeiten die Mönche in den klösterlichen Betrieben, widmen sich der Fischzucht und dem Gartenbau und verkaufen die Produkte in ihrem Klosterladen. Ihre weltberühmte Efeuzucht allerdings haben sie aufgegeben. Wie schade!

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