Der gelbe Wolfsbrunnen

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Wolfsbrunnen 1820, Kupfertstich von J. J. Meyer

Wussten Sie,

  • dass das Gasthaus zum Wolfsbrunnen mehrfach gelb verputzt war?
  • dass die nordöstliche Gebäudekante, wo die (aus Schutzgründen eingelagerte) Sandsteinsäule mit der Fürstenkrone stand und ein kleiner Mauerrest beim Kücheneingang die ältesten Bauteile sind?
  • dass der Zugang zu den oberen Geschossen - bis in die Neuzeit - nur über Außentreppen möglich war?
  • dass in einem Fensterglas des 2. OG „Mimi 1872“ eingeritzt ist?
  • dass die Fundamentmauer von 1550 immerhin 85 cm stark ist?
  • dass die Eigentümer, nämlich 12 Kurfürsten, die Badische Domänenverwaltung und seit 1870 die Stadtverwaltung das Haus immer wieder umbauten, vor allem aber in seiner Substanz und Funktion bewahrten (allerdings in abnehmender Häufigkeit seit dem 20. Jahrhundert und leider nur bis zum Jahr 2008!)?

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Folkwin Vogelsang

Wer wüsste das besser als Folkwin Vogelsang, der im Besitz eines Wolfsbrunneninventars seines Ururgroßvaters aus dem Jahr 1865 ist, dessen Familie seit Generationen mit diesem Haus verbunden ist?

Entsprechend groß war also das Interesse beim März-Vortragsabend und der Jettasaal des Wolfsbrunnens war bis auf den letzten Platz besetzt.

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Mit einer Fülle von Lageplänen, Architekturzeichnungen, Aufrissen, aber auch mit einer großen Zahl von Aquarellen, Zeichnungen und Gemälden aus den letzten drei Jahrhunderten verdeutlichte Folkwin Vogelsang äußerst sach- und ortskundig die wechselvolle Geschichte des Traditionsbaus: Beginnend mit den ersten Darstellungen des Wolfsbrunnenhauses durch den „Frankentaler Maler“ (1580), die schon die Einbuchtung der rustizierten Nordostkante zeigen, über Merian (1619), der den Brunnen wohl nicht korrekt abbildete, den zahlreichen Skizzen und Aquarellen von Graimberg, Fohr, Bender, Meyer, u.a. bis zur völligen Neugestaltung als „Schweizerhaus“ durch Weinbrenner (1822).

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Ansichten Haus Weinbrenner 1822

Der Referent zeigte - unterstützt durch moderne Technik - mit Überblendung der Grundrisse, dass die Grundmaße des Hauses (etwa 8,50m mal 9,50m) seit Baubeginn beibehalten wurden. Bewunderung fand das erste Foto von 1874 mit der herrlichen Glashalle und den stilsicheren Anbauten, welche die simplen Baumaßnahmen der letzten 50 Jahre am Wolfsbrunnen geradezu beschämen.

Die nachfolgenden Fragen an Folkwin Vogelsang zeigten, dass die Fortsetzung seiner Vorträge erwünscht ist: Die Geschichte der fünf Teiche und Becken, der Nutzung des Hauses, der Wasserführung des Baches und der Quellen, zudem die Geschichte der oberen Anlage und des Brunnens vor dem Haus, der auf allen Darstellungen im Zentrum steht, der in neuerer Zeit leider durch ein falsch dimensioniertes Betongefäß ersetzt wurde und von dem einer der herrlichen Wolfsköpfe aus dem Jahre 1872 vor zwei Jahren entwendet wurde. Vieles harrt noch der Aufarbeitung und Darstellung.

Der 460. Geburtstag dieses Hauses in diesem Jahr kann also noch mehrfach gefeiert werden!

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