„Froh seyn und Weh seyn“…

…so erlebe man die Natur, meinte Friedrich Schiller. - Und wie erleben seine Nachfahren bzw. erlebten seine Vorfahren die Natur?

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Eine Antwort darauf gab Prof. Dr. Annette Kämmerer. Im voll besetzten Jettasaal der verwaisten Gaststätte zum Wolfsbrunnen beleuchtete sie die Angst des Menschen in der Natur, vor der Natur und um die Natur.

Anhand von Beispielen aus der europäischen Malerei und Dichtung zeigte sie, wie die Menschen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts in vielen Naturerscheinungen (z.B. Meer, Gebirge, Nacht) das Wirken unsichtbarer und bedrohlicher Mächte sahen.

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Donner, Erdbeben, Überschwemmungen wurden als „Zorn Gottes“ über die Sünden der Menschen erklärt. Natürliche Phänomene wie Kometen, Sonnenfinsternis wurden gedeutet und man versuchte, sich mit dem noch Unerklärlichen in der Natur durch Rituale und Buße zu arrangieren.

Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Aufklärung entzauberten die Welt, diffuse Ängste wurden durch Vernunft besiegt, der strafende Gott wurde zum gütigen Gott. Blitz bedeutete nun nicht mehr die strafende Hand Gottes, sondern eine elektrische Entladung, die durch einen Blitzableiter unschädlich gemacht werden kann.

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Die Neuzeit öffnete alle Naturräume für den fast angstfreien Zugriff des Menschen: Die Bergwelt der Alpen, von unseren Ahnen gefürchtet und gemieden, wird heute von Millionen Menschen als Ort der Erholung und Quell der Freude aufgesucht. Das Meer, dessen Stürme und „Ungeheuer“ ebenfalls angstbesetzt war, wird heute von allein segelnden Teenagern bezwungen.

Inzwischen ergreift mehr und mehr die Angst um die Natur Besitz von uns: Wir fürchten nicht mehr Hexen und Wölfe, sondern wir fürchten uns vor den unbesonnenen Eingriffen des Menschen in die Natur. Jeder im Saal dachte sorgenvoll an die Ölbohrungen im Golf von Mexiko…

Es war ein spannender Abend zum Thema Angst und Natur, dem die Referentin mit Musik- und Gedichtbeispielen noch ein i-Tüpfelchen aufsetzte!

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